Start Auf zur Büchergalerie Top 10 Specials Gewinnen Newsletter Suche
Autoren Ausgezeichnet Buch + Medien Events Marktplatz Forum Kontakt Über uns
Belletristik
Jetzt als Taschenbuch
Das Buch zum Film/zur TV-Reihe
Audiobook/DVD
Kinder und Jugend
Sachbuch/Ratgeber
Für angehende Autoren/Verlage
(Wieder)entdeckt
Biblio-vieles
Für die Ewigkeit
Themen-Specials
E-Books
Software/Spiele

   

Jetzt bestellen

 


 

(Wieder)entdeckt

Über das Wasser

Autor: Hans Maarten van den Brink
Aus dem Niederländischen von Helga van Beuningen

gebunden, 158 Seiten
erschienen: August 2000
Hanser
ISBN: 3446199578
Preis: 14,90 €

Hier bestellen:

amazon

 


Klappentext:
"Glück? Darüber spricht man nicht. Ein Wort zuviel, und es ist lächerlich. Zwei Worte, und es ist verschwunden." Und doch handelt dieses Buch vom Glück zweier Jungen, die während eines milden Sommers in einem schlanken Zweier ohne Steuermann über den Fluss rudern, der die Stadt in zwei Hälften trennt. Auf der einen Seite wohnt Anton, der Arbeitersohn, auf der anderen David, in einer Villa am Park. Doch wenn sie in perfekter Harmonie über das Wasser gleiten, angefeuert von ihrem deutschen Trainer Alfred Schneiderhahn, sind sie zu einer geschmeidigen Einheit verschmolzen, und die Zeit scheint stillzustehen, weil ihre Herzen im gleichen Rhythmus schlagen.
Fünf Jahre später besucht Anton in einer dunklen Winternacht das, was vom Gebäude des ehemaligen Ruderclubs noch übrig ist. Die olympischen Spiele in Helsinki, für die sie in jenem glücklichen Sommer 1939 trainierten, haben nie stattgefunden, und mit seinem jüdischen Freund David ist auch ein Stück von Anton selbst im Krieg verschwunden.

(© 2000 Hanser Verlag)


Fazit:
Bei einer Präsentation niederländischer Kunst vor einiger Zeit in Berlin las der in Deutschland noch völlig unbekannte Autor H. M. van den Brink ein paar Seiten aus seiner inzwischen in mehrere Sprachen übersetzten Novelle ÜBER DAS WASSER vor. Die Kostprobe machte neugierig, so dass ich mich hinterher in die Schlange am Büchertisch einreihte. Die Investition hat sich gelohnt. Nach zwei Abenden der Lektüre kann ich eine kleine Entdeckung vorstellen:

Woher seine Faszination für Wasser stammt, weiß er bis heute nicht. Schon als Fünfjähriger ist Anton seiner Mutter beim Spazierengehen an dem kleinen Flussstrand weggelaufen, um mit Hose und Hemd - die Schuhe hatte er wenigstens ausgezogen - an der flachen Stelle ins Wasser zu gehen. Wie eine unsichtbare Macht zog es ihn in das Nass; das Schreien der Mutter konnte ihn nicht aufhalten.
Später waren es die Ruderer, die zu viert oder zu acht mit ihren schlanken Booten nahezu geräuschlos wie Pfeile durchs Wasser schossen, von deren Anblick er nicht ablassen konnte. Eines Tages stand Anton, der Arbeiterjunge von der anderen Flussseite, dann mit seinem Vater im Clubhaus des Rudervereins, das mit Preisen, Wimpeln und Medaillen an den Wänden behängt war, und füllte den Aufnahmeantrag aus. Er konnte gar nicht so richtig begreifen, was in diesem Augenblick geschah, er glaubte zu träumen. In den nächsten Tagen fand er sich mit sieben Gleichaltrigen von der hiesigen Flussseite, an der die Villen standen, im Achter und versuchte, wie allen anderen, den Anweisungen des Trainers zu folgen. Von der eleganten Bewegung der acht im Gleichklang, die er bei den älteren Ruderern immer so bewundert hatte, keine Spur.

Eines Tages brachte der Trainer den Deutschen Alfred Schneiderhahn mit. Ohne mit den Jungs zu sprechen, zeigte der auf die Nummer 1 und 7 im Boot, also auf Anton und David, und ab sofort fanden sich die beiden in einem Zweier ohne Steuermann. Schneiderhahn wusste alles über das Rudern. Trotzdem sprach er wenig. Er machte Trainingspläne für jeden Tag, erklärte ihnen sachlich und knapp den Rhythmus, wie man startet, Kräfte einteilt, spurtet. Und allmählich wuchsen die beiden mit ihrem Boot zu einer Einheit zusammen. Schneiderhahn fuhr beim Training mit dem Fahrrad am Ufer entlang. Am nächsten Tag erhielten sie dann jeweils schriftlich die weiteren Anweisungen. Anton und David brauchten sich nicht abzusprechen; sie befolgten die Befehle des Trainers, jeder für sich, so als wären sie beide eine Person. Es war für Anton die vollkommene Harmonie. Auch in der Winterpause trainierten die beiden nach Anleitung mit Hanteln und machten ihre Trockenübungen.

Im nächsten Frühjahr begannen die ersten Wettbewerbe, und die beiden wurden so erfolgreich wie kam ein Duo zuvor im Verein. Die Anerkennung (und auch der Neid) der Kollegen stieg. Daran musste man sich erst einmal gewöhnen. Die anderen interessierten Anton nicht. Für ihn entstand beim Rudern mit David das höchste Glücksgefühl, etwas, was er noch nie vorher gespürt hatte.
Es war das Jahr 1939 und die Olympischen Spiele in Helsinki standen bevor. Dafür trainierten sie jetzt. Doch diese Spiele sollten nie stattfinden.

Heute, einige Jahre später, steht Anton vor den Trümmern des eingestürzten Clubhauses. Die Boote sind weg, nur noch die Treppe zum Steg, auf der sie unzählige Male müde, aber mit Glück im Bauch ihr Boot getragen haben, existiert noch zum Teil. Von seinem jüdischen Freund und Partner David, der vor dem Krieg in der großen Villa gelebt hat, gibt es keine Spur mehr ...

Über das Wasser ist eine zarte, leise Novelle über das Erwachsenwerden eines Jungen, über Ängste, Glücksgefühle und Sehnsüchte in der Pubertät, und über einen Selbstfindungsprozess: das Akzeptieren des eigenen Körpers, das Akzeptieren von sich selbst.

Die anspruchsvolle und erzählende Sprache wirkt zu Beginn ein wenig sperrig. Am Anfang der Erinnerungen dominieren kurze Hauptsätze, die die Sprunghaftigkeit von Erinnerungen unterstützen, am Ende bei dem aufregenden Wettkampf erhöhen sie die Spannung. Nach wenigen Seiten hat man sich jedoch eingelesen. Ein tolles Buch. Auf weitere Werke des Autors bin ich gespannt.

(© 2004 Hartmut Faustmann für all-around-new-books.de)

******************************************************************************
Sie haben das Buch gelesen und wollen einen Kommentar abgeben? Dann bitte hier entlang ...


Copyright ©  all-around-new-books.de 
Alle Rechte vorbehalten. Impressum - E-Mail - Haftungsausschluss
Design und Realisierung: onlineAgentur.de GmbH

 



Alle vorgestellten
Bücher in der Galerie:
sortiert nach Autor
sortiert nach Titel


Rund um´s Buch

S e r v i c e

Weitere Buchtipps

Gesammelte Schriften
von Uwe Timm


Memoiren der Zukunft
von Herbert Kremp

Wa(h)re Mitarbeiter
von Heike Lenk/Gudrun Negele