Start Auf zur Büchergalerie Top 10 Specials Gewinnen Newsletter Suche
Autoren Ausgezeichnet Buch + Medien Events Marktplatz Forum Kontakt Über uns
Belletristik
Jetzt als Taschenbuch
Das Buch zum Film/zur TV-Reihe
Audiobook/DVD
Kinder und Jugend
Sachbuch/Ratgeber
Für angehende Autoren/Verlage
(Wieder)entdeckt
Biblio-vieles
Für die Ewigkeit
Themen-Specials
E-Books
Software/Spiele

   
Jetzt bestellen
 

(Wieder)entdeckt

Schwarzbuch Kapitalismus
Ein Abgesang auf die Marktwirtschaft

Autor: Robert Kurz

Taschenbuch, 938 Seiten
erschienen: November 2001
Ullstein
ISBN: 3548363083
Preis: 12,95 Euro

Hier bestellen:

amazon

 


Verlagsinfo:
Der Lebensstandard breiter Bevölkerungsgruppen sinkt, die Arbeitslosigkeit nimmt zu, der Ausweg in die Dienstleistungsgesellschaft erweist sich als Illusion. Die Marktwirtschaft wird mit ihren Produktivitätssprüngen - Automation und Globalisierung - nicht mehr fertig.

Robert Kurz seziert die Marktwirtschaft, zeichnet die drei industriellen Revolutionen nach und belegt, wie der Kapitalismus aus weitverzweigten Wurzeln und vielen Quellen im Laufe der Geschichte Varianten seiner inneren Widersprüchlichkeit hervorgetrieben hat: Liberalismus und Sozialdemokratie, den Staatssozialismus als Form nachholender Modernisierung, aber auch immer wieder Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus.
Es zeigt sich, dass die bisherigen Gegenentwürfe das Wesen der kapitalistischen Geldmaschine ungangetastet ließen und selber nur Trendsetter jener permanenten 'Modernisierung' waren, die sich zunehmend als antisozialistischer Drohbegriff entpuppt. Aber ausgerechnet in demselben Maße, wie er von allen Parteien zum alternativlosen Schicksal der Menschheit erklärt wird, treibt der Kapitalismus heute auf eine ausweglose Situation zu.

(© 2001 Ullstein Verlag)


Fazit:

Im Glauben fest
Robert Kurz hat sich bei der Wahl des Titels inspirieren lassen vom Schwarzbuch des Kommunismus, worin die 100 Millionen Morde des Kommunismus recherchiert sind.

Robert Kurz ist ein Angehöriger der 68-er Revoluzzer. Im Gegensatz zu vielen seiner Gesinnungsgenossen hat er den "langen Marsch durch die Institutionen" an die Fleischtöpfe der von ihnen nicht geschaffenen, aber dafür umso mehr abgesahnten Gesellschaft verschmäht und blieb auch im Glauben fest.
Zitat, Seite 259: „Es sind häufig ehemalige Kapitalismuskritiker der Bewegung von 1968, die nun die Ehre haben, selbstbewußt und in Armani-Anzügen das Leben der Menschen unter „Finanzierungs-Vorbehalt“ zu stellen.“

Rober Kurz wurde nicht, wie mancher andere, zum Renegaten. Er bleibt den Ideen des Dr. Marx verbunden. Seine Ehre heißt Treue.

Was ist die Prophezeiung wert?
Schon vor über 13 Jahren, als Illusionisten noch an die Lüge der "blühenden Landschaften in den neuen Bundesländern" glaubten, gewann er durch die Sentenz "Die DDR wird uns nicht wie eine reife Banane in den Schoß fallen, sondern wie ein Mühlstein um den Hals."
nicht nur Freunde. Diese Vorhersage wurde verifiziert - mit kräftiger Hilfe durch das wirtschaftliche Banausentum des damaligen Kanzlers.

Im Schwarzbuch des Kapitalismus schreibt Robert Kurz auf Seite 14 im Prolog: "Die kapitalistische Industrialisierung, die im späten 18. Jahrhundert angestoßen wurde, tritt in das Stadium der Ausweglosigkeit ein. Es kann nur noch ein Abenteuer geben: die Überwindung der Marktwirtschaft jenseits der alten staatssozialistischen Ideen. Danach mag eine andere Geschichte beginnen."
Was ist der Wahrheitswert dieser Prognose?

Linkes Lästern
Robert Kurz betreibt Systemkritik, die unter die Haut geht.
Wem es widerfährt, dass ihm beim Ansichtigwerden der Physiognomien so mancher Wirtschaftsführer die Galle hochkriecht, wen es ins Grübeln bringt, dass bei der Deutschen Bank im Bereich Global Markets ein einziger Angestellter 2003 laut FAZ (FAZ vom 3.4.2004, Nr. 80, Seite 21) 100 Millionen Euro (in Worten: einhundert Millionen Euro) bezog (könnte man hier ernstlich noch von "Verdienen" sprechen?), wer nach der Kotztüte greift, wenn die politische Phrasendreschmaschine mal wieder betätigt wird, wer eine Mutter kennt, die einen Arztbesuch sich nicht leisten kann, wer mit einem Rollstuhlfahrer sprach und erfuhr, was bei Behinderten finanziell abgeht, der leihe/miete/stehle/erbettle/kaufe dieses Buch.

Robert Kurz gelingen Formulierungen von alttestamentarischer Wucht.
Zitat, Seite 653: „Allein der Ausdruck „Freizeit“ verweist schon auf die Ursprünge in den Irrenhäusern des 18. Jahrhunderts, auf eine bloße Restzeit jenseits der Domestizierung des Menschenmaterials in Fabrik und Büro.“

Kurz behauptet, keine Lösung zu haben, regt jeden einzelnen dazu an, "Sand im Getriebe" zu sein. Dennoch lässt er immer wieder durchblicken, dass er ein Rätesystem für die Lösung hält. Rätesystem hatte die Sowjetunion. Wer will dahin zurück?

Zu kritisieren ist:
Das umfangreiche Werk hat kein Register.

Er zitiert den Marquis de Sade ausführlich als Wirtschaftstheoretiker. Auf diese Idee muss man erstmal kommen.
Zitat, Seite 519, letzter Absatz: „Obwohl die als „friedliche Marktwirtschaft“ maskierte Weltmaschine des Kapitals in ihren objektivierten Wirkungen mehr Menschen- und nicht zuletzt Kinderopfer gefordert hat als sämtliche äußeren Repressionen und Kriege aller modernen Diktaturen zusammengenommen, werden nur die letzeren Opfer als solche gezählt [...]“. Allein Stalin hat 60 Millionen Menschen getötet.

Robert Kurz greift in die Trickkiste der Altlinken: Er behauptet, die „staatskapitalistische Sowjetunion“ sei nicht kommunistisch gewesen. Immerhin bezeichnete sie selber sich so.
Wohin Kommunismus führt kann man auch an den 6 Millionen Morden der Roten Khmer in Kambodscha und an der Kulturrevolution im maoistischen Rotchina studieren. Oder man besuche die neuen Bundesländer.
Er behauptet, die "DDR" habe sich "real existierender Sozialismus genannt". Das ist falsch. Sie nannte sich zunächst "Paradies der werktätigen Klasse" und erst, als sie in den letzten Zügen lag, wurde sie umetikettiert zum "real existierenden Sozialismus", was der durchsichtige Versuch war und ist, den Sozialismus zu retten.

Er setzt gleich: Aufklärung = Liberalismus = Marktwirtschaft = Kapitalismus = IMF = Weltbank. Er handhabt diese Begriffe, als seinen sie synonym. Das sind sie nicht.
Er tut so, als sei das fragwürdige Wirken der Weltbank und des IMF der Marktwirtschaft eingeboren.
Er verschweigt, dass es verschiedene Spielarten der Marktwirtschaft gibt. Das Spannungsverhältnis besteht zwischen überholtem laissez-faire und sozialer Marktwirtschaft.

Die soziale Marktwirtschaft in der Form des Ordoliberalismus sorgte für Wohlstand für alle. Man sehe sich den Aufschwung der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis 1973 an. 1973 saßen an den Schaltstellen der Macht seit vier Jahren linke Ideologen, deren erklärtes Ziel es war, "die Belastbarkeit der Wirtschaft" zu testen.

Wer ernsthaft an eine Alternative zur Marktwirtschaft glaubt, verschließt die Augen vor der Wirklichkeit. Adam Smith sagt sinngemäß: “Der Bäcker und der Fleischer geben mir ihre Waren nicht aus Menschenfreundlichkeit, sondern weil sie damit ihren eigenen Interessen dienen.“ Wer kann über seine eigenen Interessen besser bestimmen – der einzelne Mensch für sich selber oder anonyme Gremien für den einzelnen?

Im umfangreichen – für alte Linke typischen – Literaturverzeichnis nennt er mehrmals als Quelle die Nürnberger Nachrichten, aber es fehlen Eucken, Schumpeter, Paul Samuelson, E. F. Schumacher, Jürgen Eick, Ludwig Erhard, Nell-Breuning.

Die Extreme berühren sich
Es gibt den französischen Spruch "Les extremes se touchent" (Die Extreme berühren sich). Robert Kurz ist näher - als man zunächst vermuten würde - an Julius Evola, der als alter Mann die italienische 68–er Studentenrevolte wohlwollend begrüßte und dessen Werk Den Tiger reiten von den Protestlern gern gelesen wurde.

Vergleichen wir:
• Robert Kurz, Seite 39: „Der Liberalismus [...] ist letzten Endes nur eine Spielart des modernen Totalitarismus selbst;“
Robert Kurz, Seite 58: "Wenn hier etwas "klar" wird, dann ist es die wahre Natur der westlich-kapitalistischen "freien Nationen", wo zwar "Sklaverei nicht erlaubt sind" [...] der Liberalismus aber fast 300 Jahre daran gearbeitet und es geschafft hat, eine neue Art der Sklaverei mit unsichtbaren Ketten zu installieren."

"Vermittelst der jakobinischen Illusion des Liberalismus nimmt der moderne Kapitalismus feste Formen an, um schließlich in eine kapitalistische Oligarchie einzumünden, welche unter dem parlamentaristisch-demokratischen Regime jede Politik kontrolliert und beherrscht."
(Baron Julius Evola. Er kritisierte Mussolini von rechts. Gottfried Benn war von seinem Buch Revolte gegen die moderne Welt begeistert.)

• Robert Kurz, Seite 772: „die schiere Existenz eines Arbeitsmarktes verrät eine allgemeine Systemsklaverei ...“

„Die Grundidee war, daß die Arbeit nicht dazu dienen solle, den Menschen in Fesseln zu legen, sondern ihn zu befreien: um ihm eben zu gestatten, höhere Interessen zu verfolgen, nachdem die Frage der Erfüllung der Daseinsbedürfnisse geregelt war. Kein wirtschaftlicher Wert erschien dem Menschen hoch genug, um seine Unabhängigkeit zu opfern und das Dasein zum Erwerb nicht lebensnotwendiger Dinge im Übermaß zu beanspruchen.“
(Julius Evola.)

• Robert Kurz, Seite 117: "Indem die Aufklärungsvernunft sich defensiv eingrub, wurde sie allmählich "positivistisch", d.h. sie versuchte sich auf die vom Kapitalismus gesetzten "positiven Tatsachen" zu beschränken und alles andere ins Wolkenkuckucksheim unfruchtbarer Metaphysik zu verweisen. [...] konnten die Herren nun "Realismus" predigen."

"Heute versteht man grundsätzlich unter Wirklichkeit nur das, was nicht über die Welt der Körper in Raum oder Zeit hinausgeht." (Julius Evola)

Der Arzt, der dem Grippekranken zum Selbstmord rät
Das Buch lässt nicht kalt - insbesondere die Schilderung der zum Himmel schreienden Mißstände im 19. Jahrhundert. Robert Kurz suggeriert als Lösung „Räte“. Damit betätigt er sich als Arzt, der dem Grippekranken zum Selbstmord rät.
Mit seinem Rat „Sand im Getriebe zu sein“ hätte er sich mit dem reaktionären Individualanarchisten Evola gut verstanden.

Die Problematik geht weit über lediglich Ökonomisches hinaus. Lesen Sie auch E. F. Schumacher, Leopold Kohr, Jean Ziegler.

(© 2004 Holger Roehlig für all-around-new-books.de)

******************************************************************************
Sie haben das Buch gelesen und wollen einen Kommentar abgeben? Dann bitte hier entlang ...


Copyright ©  all-around-new-books.de 
Alle Rechte vorbehalten. Impressum - E-Mail - Haftungsausschluss
Design und Realisierung: onlineAgentur.de GmbH

 



Alle vorgestellten
Bücher in der Galerie:
sortiert nach Autor
sortiert nach Titel


Rund um´s Buch

S e r v i c e

Weitere Lesetipps 

Politik ohne Werte?
von Henrik Bischof

Small is beautiful
von E. F. Schumacher

Power and Mission
von Detlef Junker

Deutschlandreise
von Roger Willemsen