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Der Verlag zum Buch:
Erwin Kochs mehrfach ausgezeichnete Reportagen sind, auch wenn sie zunächst in Zeitschriften erscheinen, meisterhaft gestaltete Literatur. Lebensgeschichten verborgene und prominente, tragikomische und mörderische sind ihr Stoff.
Wie das Porträt von Stepan, der sich fünfzig Jahre auf einem Dachboden versteckte. Oder das von Markus T., der sich scheinbar widerstandslos von seiner Frau und deren Liebhaber töten ließ. Oder die Geschichte von Silvia, einem Folteropfer der Militärdiktatur, die Kochs hoch gelobtem Romandebüt Sara tanzt zugrunde liegt.
Zum Autor:
Erwin Koch, geboren 1956, lebt in der Nähe von Luzern. Er ist Journalist und schreibt Hörspiele und Reportagen. Von 1984 bis 1990 war er Redakteur, seit 2002 ist er Reporter für Das Magazin des Tages-Anzeigers, dazwischen u. a. für Die Zeit, Geo und das Frankfurter Allgemeine Zeitung Magazin, 1999 bis 2002 war er Reporter beim Spiegel. Er wurde mehrfach ausgezeichnet, u. a. zweimal mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis. Sein Roman Sara tanzt erschien im Jahre 2003 und beruht auf einer der hier vorliegenden Reportagen.
(© 2004 dtv Verlag)
Buchbesprechung
- Rezension:
Für seine journalistische Arbeit wurde Erwin Koch (Die
Zeit, FAZ, Der Spiegel, u.a.) mehrfach ausgezeichnet. Warum,
wird jedem Leser des Buches Wir weinen nicht sofort
klar. Dort werden fünfzehn seiner Reportagen zusammengefasst,
die zwischen 1996 und 2002 in verschiedenen Publikationen
erschienen sind.
Mit bewunderswertem Einfühlungsvermögen gelingt
es dem schweizerischen Autor, seine Porträts meist unbekannter
Persönlichkeiten mit außergewöhnlichen Lebensgeschichten
in packende Einblicke ins Seelenleben zu verwandeln, die niemanden
kalt lassen. "Wir weinen nicht" sagt seine Interviewpartnerin
Dolores L. in der ersten Geschichte, und mit "wir"
meint sie Doris, Simone, Edith, Nora, Xenia und Maria - all
die weiteren Personen, die zusammen mit ihr in ihrer Psyche
leben. Dolores L. ist nämlich das, was Psychologen eine
"multiple Persönlichkeit" nennen.
Auch der Bericht über Jesse Gelsinger, einen achtzehnjährigen
Jungen, der mit einer unheilbaren Erbkrankheit auf die Welt
kommt und an der fahrlässigen Behandlung seiner profitgierigen
Ärzte stirbt, verursacht Gänsehaut. Khaled Abuzarifa,
der an einen Rollstuhl gefesselt am Polizeiknebel erstickt,
als er aus der Schweiz nach Kairo abgeschoben werden soll,
Markus T., der sich scheinbar ohne Gegenwehr von seiner Frau
und ihrem Liebhaber töten lässt, oder Stepan Tichonowitsch
Kowaltschuk, der sich 57 Jahre lang auf dem Dachboden seines
Elternhauses versteckt, sind weitere Menschen, deren tragische
Geschichte der Journalist analytisch beleuchtet, ohne sie
zum sensationslüsternen Spektakel zu machen.
Andere
Porträts sind vielleicht etwas weniger spektakulär,
jedoch kaum weniger berührend. Unter die Haut geht jedes
einzelne von ihnen, und manche dieser irrwitzigen Geschichten
vermögen nachhaltiger zu schockieren als ein blutiger
Horrorfilm.
Selbst hartgesottene Zeitgenossen seien gewarnt: Dieses Buch
ist nur häppchenweise zu genießen!
(©
2004 Annette Rieck für all-around-new-books.de)
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