|
Inhalt:
"New York fehlt mir jedes Mal, wenn ich wegfahre. Oft
fehlt mir New York schon, bevor ich fahre", sagt Lily
Brett, die australische New Yorkerin mit europäischen
Wurzeln, die in ihren klugen, manchmal beißend komischen
Short stories ein Bild des New Yorker Lebensgefühls und
gleichzeitig ein Porträt von sich selbst zeichnet.
(© 2001 Suhrkamp Verlag)
Fazit:
Was Elke Heidenreich über lange Jahre für die Kolumne der
Brigitte war, ist Lily Brett seit 2000 für DIE ZEIT. Erfuhren
wir von Elke Heidenreich viel Bezeichnendes über Deutschland,
bringt uns Lily Brett New York ein ganzes Stück näher. Wer
einmal dort war, fühlt sich wieder dorthin versetzt, wer es
gar nicht kennt, dem eröffnet sich eine Welt aus so vielen
Facetten, die Staunen macht.
Lily Bretts Texte und Geschichten erzählen z. B. von der Manie
der US-Amerikaner, sofort Shorts zu tragen, sobald es das
Wetter zulässt, von einem Besuch beim Friseur oder im Schönheitssalon.
Dort hört man vom neuesten Trend, bei dem man sich "Botulismus",
Bakterien einer Lebensmittelvergiftung, an verschiedenen Stellen
in die Gesichtshaut spritzen lässt, damit das Gift die Muskulatur
paralysiert und man daran gehindert wird, z. B. die Stirn
zu runzeln oder die Augen zusammenzukneifen. "Geschäftsleute
stehen Schlange, um sich Botulismus injizieren zu lassen.
Sie finden, dass die Injektionen ihnen für schwierige Verhandlungen
nützlich sind. Stress und Anspannung werden hinter einer ausdruckslosen
Maske versteckt." Man
liest vom Alltag in einer Millionenmetropole und eben von
Dingen, die man noch nicht kennt, die aber sicher auch bald
nach Deutschland gelangen werden.
Lily Brett hält sich und ihrer Welt den Spiegel vor, ohne
dabei an Leichtigkeit und Witz zu verlieren. Nicht ohne Ironie
betrachtet die Autorin sich denn auch selbst und spart dabei
nicht mit Selbstkritik, wodurch sich einem immer wieder das
Bild des weiblichen Stadtneurotikers aufdrängt - ganz wie
man es von Woody Allen kennt. So alltäglich ihre Themen und
Geschichten scheinen, so viel Humor und Philosophie stecken
in den zweieinhalb Seiten einer jeden Episode. Und wer am
Ende nicht genug bekommt, der braucht nur DIE ZEIT zu kaufen
oder auf die nächste Sammlung in Buchform zu warten.
(©
2001 Ivonn Kappel)
******************************************************************************
Sie
haben das Buch gelesen und wollen einen Kommentar abgeben?
Dann bitte hier
entlang ...
|