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Rückentext:
Grönland in naher Zukunft: Ausgerechnet der Geophysiker
Poul Silis wird in die Arktis beordert, wo er doch Schnee
über alle Maßen hasst. Er soll dort eine geheimnisvolle
vorzeitliche Tempelstadt erforschen, die nach einem Meteoriteneinschlag
aus dem Eis ragt. Doch es kommt alles anders: Schrecken werden
lebendig, die älter sind als die Erdgeschichte und ferneren
Ursprungs als die äußersten Planeten des Sonnensystems
...
(©
2004 Bastei Lübbe Verlag)
Zum Autor:
Michael Marrak, geboren 1965 in Weikersheim, studierte Grafik-Design
in Stuttgart und arbeitete zunächst als Grafiker und
Illustrator. Anfang der neunziger Jahre trat er als Autor,
Herausgeber und Anthologist in Erscheinung.
Buchbesprechung
- Rezension:
Die
Geschichte
Die Handlung gliedert der Autor in sechs chronologische Teile.
Es ist eine Mischung aus Science Fiction und Fantasy, mit
einem Übergewicht zum letzteren, die geboten wird. Ein
etwas grumpeliger, noch fast junger Forscher (geboren am Deutschen
Tag 1967) wird in der bekannten, geheimnistuerischen Art von
höheren Stellen zu einem Treffen 'gebeten'. Und das,
obwohl er Schnee und Eis hasst! Der Zusammenhang: er soll
an einer Expedition zu einem öffentlich vertuschten Meteoritenkrater
in Grönland teilnehmen, um dort seine Erfahrung als Geophysiker
und seine unübliche Aufgeschlossenheit gegenüber
Unerwartetem einzubringen (also: Querdenker gesucht).
Beim Treffen sind die Üblichen anwesend: machtgierige
Militärs, ruhmsüchtige Forscher, die geheimnisvolle
Fremde und das erdumfassende Internet. Erste Kontakte, Einstimmung
auf die Mission, Beratung, dann schließlich Aufbruch
ins Abenteuer. Die Anreise bietet reichlich Lokalkolorit,
samt Alkoholkater, hemdsärmeligem Hubschrauberpiloten
und fremdelnden Einheimischen.
Kurz
nach der Ankunft stellt der Held Poul Silis Auffälligkeiten
sowohl der dortigen Forscher als auch des vermeintlichen Einschlagkraters
fest. Nähere Untersuchungen ergeben scheinbar widernatürliche
Erscheinungen, bis hin zu nicht gefrierendem Wasser (allen
Forschern natürlich schwererklärbar) und einer Felsenstadt,
die früher unter Eis begraben lag. Parallel dazu merkt
Silis, dass er sich zunehmend mit übernatürlichen
Erscheinungen beschäftigt, und alles läuft auf die
Erkenntnis zu, dass der Krater eigentlich ein sehr großer
Schmelzkanal für ein wohl marines extraterrestrisches
Wesen ist, das sich hier verborgen hält.
Versuche, mit explosiven Mitteln weiterzukommen, scheitern
nicht nur, sondern lösen eine ziemlich heftige Reaktion
des Wesens aus, in deren Folge der Held zuerst in eine Traumzeitreise
und dann in den Eistempel der Wirklichkeit gezogen wird. Eine
Frau, die er in der Zeitreisevergangenheit kennen und lieben
lernte, spielt nun als Götterbote eine metaphysische
Rolle bei dem Versuch, die Zeichen des Tempels zu deuten.
Aber erst sein früherer Mentor, der von einer großen
Angst vor den Außerirdischen besessen zu sein scheint,
erklärt ihm den Zusammenhang. Die Menschheit ist nur
Material für zwei Lebensformen, die einen interstellaren
Verdrängungskrieg über Jahrtausende auf der Erde
austragen. Der Schluss des Buches ist die Einstimmung auf
Folgebände, in denen wahrscheinlich das geläuterte
Bewusstsein des Helden das Ende seiner Spezies beobachten
wird.
Buchtechnisches
Die Abbildungen, die an Bleistiftzeichnungen der vorletzten
Jahrhundertwende erinnern, sind wohl das schönste an
diesem Taschenbuch, denn ihre Darstellung passt nicht nur
zum Text, sondern ist auch stimmungsvoll und durch kargen
Umgang mit Elementen von eindeutiger Aussage. Rechtschreibung
ist Neuschrieb, aber nicht sonderlich störend; Satzfehler
sind nicht erkennbar.
Bewertung
Vom guten Anfang wird der Leser den Spannungsbogen entlang
zu einer Kulmination in Buchmitte geführt, um alsdann
in einem drogenfreien Trip das phantastische Vorstellungsvermögen
des Helden ereignislos dem Buchschluss entgegendriften zu
sehen. Die Geschichte selbst ist oft vorhersehbar, die längeren
Passagen mit Nabelschau des Helden eher öde.
Schade um die Idee, Außerirdische kämpften hierzuerden
während Äonen um Macht und Raum, mit der einheimischen
humanoiden Lebensform als Kollateralschaden. Was hätte
P. J. Farmer einst aus ähnlicher Idee im Flusswelt-Zyklus
gemacht!
(©
2004 Michael Titz für all-around-new-books.de)
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