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Das verschollene Bild

Autor: Michael Frayn
Deutsch von Matthias Fienbork

Taschenbuch, 357 Seiten
erschienen: 3. Aufl. Februar 2004
dtv
ISBN: 3-423-13047-4
Preis: 10,00 Euro
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Rückentext:

Eine ländliche Gegend nördlich von London. Hier stößt der Kunsthistoriker Martin Clay auf ein altes Gemälde, das er für einen verschollenen Bruegel hält. Und schon packt ihn die Gier: Wie kann er das Bild unauffällig in seinen Besitz bringen?

Ein rasanter, witziger und doppelbödiger Roman über die Liebe zum Leben, zur Kunst und zum Besitz.

(© 2004 dtv Verlag)


Fazit:
Michael Frayn lässt in Das verschollene Bild einen etwas merkwürdigen, labilen Charakter sich über seine Begeisterungsfähigkeit in eine Farce hineinsteigern. Als der etwas sprunghafte Kunsthistoriker Martin Clay bei seinem ländlichen Nachbarn ein Bild entdeckt, das er für einen Bruegel hält, ist es um ihn geschehen. Er will das Bild in seinen Besitz kriegen, die Welt der Kunsthistoriker und Analysten mal so richtig beeindrucken, aber vor allem endlich mal gegenüber seiner Frau Kate Recht behalten und ihr zeigen, dass auch er was auf dem Kasten hat.

Für Kunstinteressierte ist das Buch von Frayn ein Leckerbissen. Detailliert und sachkundig führt Frayn uns in diverse Kunsttheorien und -begrifflichkeiten ein. Er zeigt auf amüsante Weise, wie unterschiedlich ein Bild interpretiert werden kann, was alles beachtet werden muss, wie verknüpft Geschichte und Malerei sind. Durchaus auch kritisch, denn wahrscheinlich kann in der Realität auch der bekannteste Kunstexperte nicht mit 100-iger Sicherheit sagen, ob ein neu entdecktes Bild von einem bestimmten Meister gemalt wurde oder nicht? Allein die kurze Abhandlung, wie sich Bruegel nun eigentlich in Wirklichkeit geschrieben hat, macht dieses Buch lesenwert.

Andererseits wird das Buch durch Martins Sprunghaftigkeit und verletzte Eitelkeit sehr anstrengend. Martin jagt von Theorie zu Theorie, Interpretation zu Interpretation, tapst von einem Fettnäpfchen ins nächste, hofft, bangt, verschließt sich nach Niederlagen, ringt umso besessener um die Bestätigung seines Wunschtraumes und verscherzt es sich so mit jeder im Buch vorkommenden Person - inklusive dem Leser. Es wird von Seite zu Seite immer hektischer und auch atemloser geschrieben. Frayn tut dies bewusst. Es erzeugt einen spannenden Kontrast zu den kunsthistorischen Ausführungen. Aber es kostet sein Buch die Spannung, denn es dürfte jedem Leser spätestens nach der guten Hälfte klar sein, dass es mit Martin kein gutes Ende nehmen kann.

Vielleicht ist das Buch auch ein besonderer Leckerbissen für Frauen, die sich mal so richtig über einen Typen aufregen wollen, der in einer Beziehung einfach alles falsch macht und selbst zum Fremdgehen zu ungeschickt ist. Seit gestern ist ja wieder "Sex in the City"-lose Zeit ...

(© 2004 Philip Schreiterer für all-around-new-books.de, 24.04.2004)

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