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17. Juni 1953
Ein deutscher Aufstand

Autor: Hubertus Knabe

Taschenbuch, 496 Seiten
erschienen: Juni 2004
Ullstein
ISBN: 3548366643
Preis: 9,95 Euro
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Rückentext:
Der Volksaufstand am 17. Juni 1953 zählt zu den großen Ereignissen der deutschen Geschichte. Hunderttausende erhoben sich in Ostdeutschland für Freiheit und Demokratie. Hubertus Knabe, einer der besten Kenner der DDR-Geschichte, legt die erste umfassende, auf neuester Forschung beruhende Darstellung jener dramatischen Tage vor.

(© 2004 Ullstein Verlag)


Buchbesprechung - Rezension:
Im Juli 1952 hatte die II. Parteikonferenz der SED die "Verschärfung des Klassenkampfes" propagiert. Für die Wirtschaft hieß das ganz unverblümt, die Arbeitsleistungen zu steigern. Die Regierung in Ost-Berlin ordnete sogar "Maßnahmen zur Überprüfung der Arbeitsnormen" an, mit dem Ziel, sie um zehn Prozent zu erhöhen. Und so traten die Bauarbeiter der Stalinallee, die sich als Elitetruppen fühlten, am 17. Juni 1953 in den Streik. Das war vier Jahre nach Gründung der DDR das Signal für eine spontane Volkserhebung im Osten Deutschlands. Die DDR-Führung sprach jahrzehntelang von einem "konterrevolutionären Putsch, ausgelöst von imperialistischen Spionage- und Agentenzentralen", während man in der Bundesrepublik im 17. Juni 1953 eines der Schlüsselerlebnisse der deutsch-deutschen Geschichte sah, das man bis 1989 ritualhaft als "Tag der deutschen Einheit" beging, und der erst nach der Wiedervereinigung 1990 durch den 3. Oktober ersetzt wurde.

Hubertus Knabe, der acht Jahre wissenschaftlicher Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen im ehemaligen zentralen Untersuchungsgefängnis des DDR-Staatssicherheitsdienstes war, legt nun mit 17. Juni 1953. Ein deutscher Aufstand eine umfassende Gesamtdarstellung jener dramatischen Tage vor. Er zieht in seinem knapp 500-seitigen Werk eine detaillierte Bilanz der Vorgeschichte, des Verlaufs und der Folgen des Juni-Aufstandes. Im Kapitel "Ursachen" geht Knabe auf die Suche nach den markanten Faktoren für die Volkserhebung vom Tod Stalins im März 1953 bis zur Wirtschafts- und Versorgungskrise verbunden mit einer Verschlechterung des Lebensstandards. Insgesamt ist der 17. Juni 1953 nur zu verstehen, wenn man die Erfahrung eines jahrelangen, immer weiter ausufernden Terrors gegenüber der Bevölkerung in Rechnung stellt.

Entstehung und Verlauf der Volkserhebung im Juni 1953 sind durch Quellen mittlerweile gut belegt. Nach Öffnung der DDR-Archive konnten Wissenschaftler und Aufarbeitungsinitiativen die Ereignisse für viele Regionen genau nachzeichnen. Neben den Berliner Bau-arbeitern, die als Erste ihren Protest auf die Straße trugen, und den anderen Demonstrationen in Berlin, wo fast 100.000 Menschen auf die Straße gingen, beschreibt der Autor ausführlich die Proteste in den anderen Teilen der DDR. Die Kunde vom Marsch der Bauarbeiter durch die Stalinallee verbreitete sich wie ein Lauffeuer und fast die gesamte Republik wurde von diesem Flächenbrand erfasst. Arbeitsniederlegungen gab es in Chemnitz und Potsdam und Demonstrationen in Cottbus und Dresden. In verschiedenen Orten wie Halle, Bitterfeld und Görlitz bildete sich sogar für Stunden eine neue, revolutionäre Gegenmacht heraus. Knabe zeigt außerdem, dass der 17. Juni kein reiner Arbeiteraufstand war, dass es auch in Dörfern rumorte und zu Protesten kam. Auf Dorfversammlungen wurde noch wochenlang massive Kritik an der Regierung geübt. Die ostdeutsche Intelligenz verhielt sich dagegen meist abwartend oder sogar ablehnend gegenüber den Demonstranten.

Abschließend werden die Maßnahmen untersucht, die die Verantwortlichen der DDR-Regierung und der sowjetischen Besatzungsmacht unternahmen, um den Juni-Aufstand niederzuschlagen. Als Retter der SED-Herrschaft erwies sich dabei die Sowjetunion, die mit annähernd 500.000 Soldaten und ihren Panzern ein erdrückendes militärisches Machtpotential besaß. Im Nachwort hält der Autor noch einmal fest, dass es beim 17. Juni 1953 um eine "Massenerhebung von einzigartiger Kraft und Spontanität" ging. Es handelte sich dabei um keinen sozialen Protest, sondern um eine politische Bewegung mit klar umrissenen Ziel von Freiheit und Demokratie. Ein umfangreicher Anhang mit Anmerkungen, Bibliographie sowie Orts- und Personenregister erleichtert die vertiefende Lektüre. Außerdem veranschaulichen zahlreiche Dokumentarfotos und zwei Übersichtskarten die Rückschau der Geschehnisse. Aus vielen Fakten und Quellen ist ein zündstoffreiches Buch entstanden, das auch dank der klaren und doch packenden Sprache ein Kapitel deutscher Geschichte äußerst lebendig werden lässt. Eine verdienstvolle Veröffentlichung, die eindringlich die Ursachen und Hintergründe des Volksaufstandes zeigt und damit sicher zu einem Standardwerk avanciert.

(© 2004 Manfred Orlick für all-around-new-books.de)

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