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Inhalt:
Robin
Hood - kennt jeder. Und den hundsgemeinen, fiesen Wider-part,
den Sheriff von Nottingham, auch. Dachte man immer…
Jetzt hat Michael Cadnum mit "Mein Feind im Dunkel des
Waldes" den Mythos neu erzählt, die Perspektive gewechselt
und die Ge-schichte um den Rächer der Armen und Enterbten
aus der Sicht des Sheriffs vorgelegt. Lord Geoffrey präsentiert
sich als allzu menschliches Wesen. Der Hofnarr macht sich
über ihn lustig, seine Frau, Lady Eleanor, hat sich ihm entfremdet,
der König ist verärgert über die Vorfälle um den Outlaw Robin
Hood, und er selbst zweifelt an seinem Mut, ergeht sich in
Selbstmitleid. Geoffrey ist mehr Buchhalter und Verwalter
denn heldenhafter Ritter. So hadert er mit den unglücklicheren
Aufgaben, die ihm zufallen. Folter und Todes-urteile versucht
er schlicht zu ignorieren. Religiös veranlagt, fürchtet er
die Verdammnis, da er Seitensprüngen nicht abgeneigt ist …
Doch dann tritt Robin Hood in sein Leben. Das unfreiwillige
Treffen zwischen Robin Hood und dem gefangengenommenen Sheriff
ent-wickelt sich zu einer Offenbarung. Die Grenzen erkennend,
die ihm sein - modern ausgedrückt - Job auferlegt, wächst
er über sich hinaus und trifft mutige Entscheidungen. Er befreit
sich aus seinem Selbstmitleid, nähert sich seiner Frau wieder
an und lässt einen Mitstreiter Robins wieder laufen. Zugegeben:
Robin ist auch hier bei weitem der Intelligentere, aber im
Grunde geht es beiden - ganz dem Mythos verhaftet - auch bei
Cadnum um Werte wie Mut, Ehre, Aufrichtigkeit. Aber Geoffrey
ist in seiner Zeit, in seiner Position ver-haftet. Er hat
kaum Spielraum, entwickelt sich aber zu einem unge-mein sympathischen
Antihelden.
Fazit:
Cadnums Stil lässt das Mittelalter farbenfroh und plastisch
er-stehen. Mal gelingen ihm poetische Reminiszenzen, mal drasti-sche,
bildhafte Szenen von Gewalt oder unterschwellig brodelnder
Sexualität. Brutale Jagdszenen, ein Bärenangriff, Schmutz
und Dreck, Aberglaube, Leidenschaft und Begierde, aber auch
politische Details oder Erklärungen zu gesellschaftlichen
Strukturen finden sich hier. Manchmal wirkt das Ganze zu bemüht,
aber insgesamt fesselt die Geschichte. Die subtile Charakterstudie
Geoffreys in mittelalterlichem Szenario und der trockene Humor
Cadnums sowie historische Details ergeben eine gelungene Kombination.
LeserInnen werden sich gerne im Sherwood Forest verirren -
auf den Spuren Geoffreys und Robins! Spannende, ungewöhnliche
Lektüre, die deutlich macht, wie gut ein Perspektivwechsel
manchmal tun kann. Weg mit dem Schwarz-Weiß-Bild, her mit
mehr Differen-ziertheit! Vielschichtig und voller Überraschungen!
(©
2001 Katja Theiß)
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