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Taschenbuch

Die
Originalausgabe erschien 2002
unter dem Titel
"Bloodline".

 


 

Jugendbuch

 
LAB 47
Gefahr aus dem Labor

Autor: Malcolm Rose
Aus dem Englischen von Petra Koob-Pawis

Lesestufe: ab 12 Jahre
gebunden, 376 Seiten
erschienen: Februar 2002
Arena
ISBN: 3-401-05386-8
Preis: 15,50 Euro
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Rückentext:
Der junge Chemiker Kyle Proctor arbeitet seit kurzem für den Pharmakonzern Yttria. Die extremen Sicherheitsmaßnahmen seiner Firma irritieren ihn, aber noch misstrauischer wird er, als er eines Tages eine E-Mail erhält, in der von tödlichen medizinischen Versuchen des Yttria-Konzerns an schwarzen Strafgefangenen einer Jugendstrafanstalt die Rede ist. Kaum hat er die Mail gelesen, da wird sie automatisch gelöscht.

Für Kyle ist es unmöglich, zum Tagesgeschäft überzugehen. Gemeinsam mit der jungen Ärztin Helen Crear recherchiert er weiter und stößt auf ein geheimes Forschungsprojekt von ungeahnter Tragweite: Offensichtlich arbeitet Yttria an der Herstellung eines Mittels gegen Sichelzellenanämie, eine Krankheit, die ausschließlich bei Menschen dunkler Hautfarbe auftritt. Aber käönnte es sein, dass das gentechnische Produkt, das da im abgeschotteten Labor 47 entwickelt wird, längst kein Heilmittel mehr ist?
Kyle und Helen bekommen bald am eigenen Leib zu spüren, dass sie mit ihren Vermutungen richtig liegen ...

Ein hochbrisanter Thriller über die Risiken der Gentechnik, über biologische Waffen und Rassismus - viel zu aktuell, um bequem zu sein.

(© 2002 Arena Verlag)


Fazit:
Nach einem Betriebsunfall im Labor des chemisch-pharmazeutischen Weltkonzerns Yttria in Cambridge kann der junge ehrgeizige Chemiker Kyle Proctor seine Forschungsarbeit nicht mehr fortsetzen. Nach einer Umschulung arbeitet er nun in der Datenabteilung am PC, wo er eines Tages eine mysteriöse E-Mail erhält, die sein Misstrauen gegenüber seinem Arbeitgeber verstärkt. Seit seinem Eintritt in das Unternehmen ist er von den übertriebenen Sicherheitsmaßnahmen irritiert. Er arbeitet doch als Chemiker und nicht beim Geheimdienst. Diese anonyme Mail informiert ihn über geheime Versuche an jugendlichen, farbigen Strafgefangenen durch Yttria. In der Firma stößt er bei seinen naiven Fragen gegen eine Wand des Schweigens. Doch dann erfährt er durch Zufall von einer jungen Ärztin, die einen jugendlichen Strafgefangenen behandelt, der nach einem Medikamentenversuch ins Koma gefallen ist. Ohne sich zu kennen, recherchieren die beiden, jeder an seinem Arbeitsplatz, diese merkwürdigen Ereignisse. Über E-Mail tauschen sie sich aus. Nach einer Explosion ihres Hauses, zu einem Zeitpunkt, als sie glücklicherweise einen außerordentlichen Notdienst in der Klinik zu leisten hatte, stirbt die Ärztin kurz darauf bei einem tragischen Autounfall. Das ist kein Zufall!

Die heimlichen Nachforschungen von Kyle bleiben der Geschäftsführung nicht verborgen. Er wird "weggelobt" in die Konzernzentrale nach USA. Doch hier recherchiert er weiter und bekommt dann äußerst drastisch und schmerzhaft zu spüren, wozu es führen kann, wenn man zu viel weiß, das heißt, nicht auf Firmenlinie liegt und Negatives veröffentlicht. Und er erkennt jetzt, dass die "Anderen" vor nichts zurückschrecken. Yttria forscht vorgeblich nach einem Mittel gegen die schlimme Krankheit der Sichelzellenanämie, die nur bei Farbigen auftritt und an der jeder vierte von ihnen leidet. Es handelt sich um ein Gendefekt. Diese Krankheit führt häufig zum Tod. Informationen über dieses veränderte Gen mit den entsprechenden Medikamenten in terroristischen Händen könnte zu einer Katastrophe, der Vernichtung von unzähligen Farbigen, dem "genetisch unterstützten Völkermord", führen. Und Yttria macht geheime Geschäfte mit wohlhabenden und einflußreichen Rassisten in Südafrika ...

Malcolm Rose hat bis 1996 als Chemie-Dozent an einer Universität in England gelehrt. Inzwischen ist er Autor von Jugendbüchern mit wissenschaftlichem Hintergrund. Er weiß, wovon er schreibt. "LAB 47 - Gefahr aus dem Labor" ist ein überaus fesselndes Buch über gesellschaftliche Aufgaben und Verantwortung der Forschung und Industrie. Und über die Chancen und natürlich über die Gefahren, die mit der Genforschung verbunden sind. Das Buch ist ein spannungsreicher Krimi mit wirtschaftlich und politischem Hintergrund. Es macht deutlich, wie brisant es ist, wenn große Unternehmen öffentliche Einrichtungen, wie Krankenhäuser, Universitäten und Strafanstalten, mit Spenden unterstützen. Es zeigt die zwangsläufige Abhängigkeit von Politikern, die Spenden von Unternehmen erhalten haben und den Zynismus in der Argumentation, dass zwar "Herstellung, Bevorratung und Ankauf" von gewissen Produkten verboten sind, nicht jedoch die Forschung an ihnen.

Auch wenn der Autor die Geschichte erfunden hat, ist sie nicht unrealistisch. Experimente gegen schwarze Menschen in Südafrika hat es tatsächlich gegeben, und Terror gegen Tausende von Menschen ist uns leider nicht fremd. Im Zusammenhang mit einem aktuellen Abfindungsskandal in unserem Land hat der Bundespräsident kürzlich eine neue Wirtschaftsethik gefordert. Was damit gemeint ist, erfährt man sehr anschaulich bei der Lektüre diese Buches. Und wir sehen, dass es auch in den größten illegalen und korrupten Verflechtungen Menschen gibt mit Rückgrat und Moral, die sich nicht kaufen lassen und sogar ihr Leben aufs Spiel setzen für Gerechtigkeit. Das macht Mut!

Die Sprache und Übersetzung sind modern und lassen sich zügig lesen. Allerdings braucht man einige Zeit zum Einlesen. Der Autor benutzt einen Drehbuchstil, das heißt, harte Schnitte zwischen den einzelnen Handlungssträngen. Hinzu kommen viele Namen, die einem erst vertraut werden müssen. Dass das Buch in neuer Rechtschreibung geschrieben ist, sollte den Verlag allerdings nicht von einer sorgfältigeren Endkorrektur entbinden.

"Lab 47" stand 2003 - zu Recht, wie ich finde - auf der Auswahlliste des deutschen Jugendliteraturpreises.
Die Empfehlung für Leser ab 13 Jahre erscheint mir allerdings zu früh. Mein Vorschlag ist für Jugendliche ab 16 Jahre.

(© 2004 Hartmut Faustmann für all-around-new-books.de)

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