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Inhalt:
Der/die
LeserIn begleitet Zoran in den ersten Jahren in der Berliner
Wohnung, erlebt die Streitereien in der Familie, den vorübergehenden
Auszug des Vaters, die Depressionen der Mutter. Er/sie erfährt
von Zorans Zweifeln und Unsicherheiten, seinen sexuellen Begierden,
Verliebtheiten, seinen Schulproblemen und: seiner Clique.
Zoran ist der Held, als er nachts einen Weg in den Supermarkt
bahnt - Klauen ist hier fast schon anarchischer Akt. Die Jungs
entfremden sich, gehen getrennte Wege, und Zoran gerät in
eine Abhängigkeit zu Adrian, die bis zum sexuellen Missbrauch
führt. Freunde? Er verweigert sich erst, als Adrian Martina
und Ilona in den Keller lockt, diese betäubt - "eine für dich,
eine für mich. Na, ist das eine Überraschung?".
Das Gelesene geht so nah, weil es einer tieferen Wahrheit
folgt, die verstört, anrührt, betroffen macht und nicht mehr
loslässt. Zoran Drvenkar schreibt über Jungen, den Alltag
in Berlin in bestimmten sozialen Verhältnissen. Die Dichte,
mit der er dies tut, und die Thematik findet man selten in
der Kinder-/Jugendbuch-Literatur; der Autor Mats Wahl wäre
da noch zu nennen.
Fazit:
"Im
Regen stehen" besticht durch die Direktheit seiner Sprache,
durch das Anpacken harter Realitäten ohne Larmoyanz, durch
eine fast wehmütige Poesie und Sanftheit, die nicht konträr
zu der Härte und Gewalt in diesem Buch stehen. Mag sein, dass
Zoran Drvenkar mit diesem Jugendroman "erneut kinderliterarische
Tabus" mit der Schilderung von Gewalt, kriminellen Handlungen,
Missbrauchszenen bricht - und einige (hoffentlich wenige!)
dieses Buch als für Kinder unzumutbar empfinden. Dann verstehen
sie wenig von Kindheit und sollten zu anderen Büchern greifen!
Zoran Drvenkar ist hier eine beeindruckende Geschichte über
Kindheit und Jugend, über Freundschaft, Treue, Liebe und Gewalt
gelungen. Fesselnd und anrührend schreibt er über eine Kindheit
im Berlin der 70er Jahre - mit Stacheln und Kanten, den Dingen,
die manche so ungern im Jugendbuch lesen, und autobiografischen
Bezügen.
Identität oder Anknüpfungspunkte für eine Auseinandersetzung
schaffen hier nicht gleiche oder ähnliche Erlebnisse der LeserInnen
- sondern das, was darunter liegt an Ängsten, Enttäuschungen,
Wut, Trauer, Begierden, aber auch an Wärme und Vertrauen -
zuallererst aber das, was in einem selbst liegt. Beeindruckend
und intensiv! Gradlinig, hart und zärtlich zugleich .
(©
2001 Katja Theiß)
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