| Inhalt:
Still halten. Nichts machen. Dann laufen einem die
unglaublichsten Frauen über den Weg.
"Die achtziger Jahre waren keine gute Zeit, um erwachsen
zu werden, jedenfalls keine Zeit, auf die man voller Sentiment
zurückblicken kann. Schlaghosen, Clogs, Abba, Ilja Richter
- die siebziger Jahre hatten Charme, da kam noch was aus den
Sechzigern rüber, vielleicht sogar die Ahnung der Idee,
die Welt könne besser werden. Die Achtziger hatten so
etwas nicht. Auf Illustrierten waren entweder nackte Frauen
oder Atompilze, manchmal beides, und man wußte oft nicht,
was schlimmer war."
Die
80er Jahre, eine Stadt im Ruhrgebiet: Helmut ist 16. Seine
Eltern reden nicht miteinander und seine Mutter fragt ihn
ständig: "Junge, was willst du eigentlich?"
Wenn er das nur selbst so genau wüßte. Helmuts
lakonische Selbsteinschätzung lautet: drogenabstinenter,
heterosexueller Nichtdemonstrierer, so wenig Engagement wie
möglich, so viel Leben (lassen) wie nötig.
Helmut trägt Bäckerhosen, hört Platten von
den Beatles und Bob Dylan, tanzt zu Madness und Fisher Z.
Und er ist verliebt in die hübsche blonde Schulsprecherin
Britta, die ihn in die Geheimnisse der Liebe einführt.
Ihr zuliebe engaiert er sich in der Nicaragua-Gruppe. Aber
zur ersten Liebe gehört die erste Enttäuschung ...
Die
vorliegende Romanausgabe zur Kinoverfilmung enthält neben
Filmfotos zusätzlich eine neue Geschichte von Frank Goosen,
ein Interview mit dem Regisseur Hendrik Handloegten und die
Stabliste des Films.
(©
2003 Heyne Verlag)
Buchbesprechung
- Rezension:
Der Roman Liegen lernen begleitet einen Kommste-Heute-Nicht-Kommste-Morgen-Typen
von der Pubertät bis zum Erwachsenenalter mit den kleinen
Stolperstufen der 80er Jahre in Deutschland.
Irgendwann
erfährt der Leser, dass es sich um Helmut handelt, was
einen nach einem Drittel des Buches nicht sonderlich überrascht,
da man sich genau so einen Helmut vorstellt. Ein normaler
Mittelklassejunge, der Hindernissen lieber aus dem Weg geht
und sich hinter seiner stetig wachsenden Schallplatten- und
CD-Sammlung versteckt, deren Erweiterung ein doch entstandenes
Problem neutralisiert.
Zum
Glück gibt es am Anfang des Romans das Mädchen Britta,
welches unserem Anti-Helden klarmacht, dass man eine Meinung
zu haben hat. Sie und ihre Aussage behält Helmut bis
zum Ende im Kopf.
Im
Laufe der Jahre hat Helmut einige Beziehungen bzw. er nimmt
die Frauen mit, denen er begegnet, ohne zu wissen warum. Dabei
wird er älter, aber nicht wirklich erwachsen - und das
Buch nähert sich dem Schluss.
Die
letzten Seiten bahnen sich bereits an, bis endlich ein Knoten
nach dem anderen platzt. Helmut beginnt bewusst zu leben,
sich aktiv zu entscheiden. Er irrt umher, verzweifelt, stellt
Fragen und erobert sein Leben. Plötzlich interessiert
ihn das „Warum“. Energien kommen zum Vorschein,
die wir ihm niemals zugestanden hätten. Helmut beginnt,
eine Meinung zu entdecken und wir Leser schließen beruhigt
und gemütserregt das Buch.
Der
Roman ist wunderbar trocken geschrieben und zwingt einen,
das Buch zu schütteln und sich an den Kopf zu fassen.
Ständig hat man ein Grinsen und gleichzeitig nach unten
gezogene Mundwinkel im Gesicht. Darüber hinaus sorgt
die Thematik für eine interessante Achterbahnfahrt und
jede Menge Diskussionsstoff.
(©
2004 Franziska Wilbrandt für all-around-new-books.de)
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