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Inhalt:
Erzählt wird die Lebensreise des Ferdinand Bardamu. Der
Medizinstudent meldet sich zur Mobilmachung 1914 als Freiwilliger,
doch schnell lernt er den Krieg als einen apokalyptischen
Kreuzzug zur Vernichtung der "lästigen Armen"
kennen. Nach dem Krieg verschlägt es Bardamu nach Afrika;
er erlebt Lüge und Elend des Kolonialismus und wird schließlich
todkrank von Eingeborenen auf eine Galeere Richtung Amerika
verschachert. Schließlich kehrt er nach Frankreich zurück
und wird Armenarzt. Auch dort hat er die gleichen Erlebnisse,
die nach Célines Erfahrung das menschliche Dasein ausmachen:
Armut, und daraus folgend: Haß, Gemeinheit und Verbrechen.
"Die Reise" zeichnet sich durch eine schockierend
genaue und düstere Wiedergabe sozialer Verhältnisse
aus. Um diese "höllisch reale" Menschenwelt
entstehen zu lassen, schuf Céline eine eigene Sprache
voller Stilbrüche, zwischen Argot, Hoch- und Kunstsprache,
die erst in der Übersetzung von Hinrich Schmidt-Henkel
auch auf Deutsch zu ihrem Recht kommt.
(©
2004 Rowohlt Verlag)
Buchbesprechung - Rezension:
Der Roman Reise ans Ende der Nacht von Louis-Ferdinand
Céline, der zum großen Teil auf biografischen
Erlebnissen beruht, hat soviel Kraft und Hass in sich, dass
es schon erschreckend wirkt. Durch die Neuübersetzung
von Hinrich Schmidt-Henkel ist ein Stück Weltliteratur
in Deutsch zu lesen bzw. in zeitgenössischer Fassung
wieder zu lesen.
„Man
kann auf allerlei Arten zum Tode verurteilt sein. Ach! Was
hätte ich in diesem Moment darum gegeben, im Gefängnis
zu sein statt hier, ich Idiot! Wenn ich, zum Beispiel, voraussehend,
etwas gestohlen hätte, als das noch leichter möglich
war, irgendwo, als noch Zeit dazu war. Man denkt an nichts!
Aus dem Gefängnis kommt man lebendig raus, aus dem Krieg
nicht. Alles andere ist Geschwätz.“
Diese Zeilen aus Reise ans Ende der Nacht lassen
die geniale Doppelbödigkeit, den sprachlich spezifischen
Duktus und die kompromisslose Antikriegshaltung des Erzählers
bzw. des Autors erkennen. Auf mehr als 650 Seiten erlebt man
das sprachliche Feuerwerk eines Ausnahmeliteraten.
Bardamu,
den Icherzähler, begleitet der Leser in die Wirren des
Ersten Weltkrieges, nach Afrika, nach Amerika und in die Pariser
Vorstadt, wo der vom Leben gebeutelte Protagonist als Armenarzt
tätig ist. Dieser Antiheld ist ständig auf der Suche,
und wird immer wieder enttäuscht. Sein Idealismus zeigt
ihm am Ende immer die ganze Hoffnungslosigkeit, in der sich
die Menschen befinden. Ein Roman der Desillusionierung, der
trotzdem Mut macht.
Auch die Empathie, die den Leser aufgrund der genauen Zeichnung
der Figuren befällt, verdankt der Roman der Sprache des
Autors.
Obwohl über 70 Jahre alt, hat dieses Buch nichts an Aktualität
verloren. Wer diesen Céline liest, der wird immer wieder
seinen Kultstatus anerkennen müssen. Mit seiner Reise
ans Ende der Nacht hat er Maßstäbe gesetzt,
wie Joyce und Proust.
Auch
wenn Céline wegen seiner antisemitischen Äußerungen
und seiner Nähe zum Faschismus als Mensch (wie auch Pound
und Hamsun) umstritten war und ist, gehört dieser Roman
zur Weltliteratur, sein Autor zur Riege der außergewöhnlich
genialen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Der moderne
Schelmenroman von Céline - in dieser zeitgenössischen
Übersetzung - ist ein Geschenk an die Lesenden.
(©
2004 Ulf Großmann für all-around-new-books.de)
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