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Inhalt:
Jetzt zum ersten Mal im Taschenbuch: Der berühmteste
Roman Italiens in der hochgelobten Neuübersetzung von
Burkhart Kroeber unter dem originalgetreuen Titel Die Brautleute.
Mit
der Fiktion einer wiederentdeckten Chronik spielt der große
italienische Romancier Alessandro Manzoni in seinem berühmten
Werk I promessi sposi von 1827, das in dieser Neuübersetzung
nicht mehr unter dem vertrauten Titel Die Verlobten,
sondern unter dem orginalgetreuen Die Brautleute erscheint.
Es
geht um die Geschichte des jungen Brautpaars Renzo und Lucia,
deren Hochzeit sich durch Intrigen, Gewalt und Schicksalsschläge
schier unüberwindliche Hindernisse in den Weg stellen.
Doch diese Liebesgeschichte ist eingebettet in ein großartiges
Tableau: Unter Berufung auf historische Quellen aus dem 17.
Jahrhundert lässt Manzoni, dieser unbestechliche Beobachter
und glänzende Stilist, ein ganzes Zeitalter, seine Gesellschaft
und seine politischen Ereignisse lebendig werden.
Manzonis Mailänder Geschichte zählt zu den wichtigsten
Romanen der Weltliteratur, seine Bewunderer reichen von Goethe
bis Umberto Eco und diese Neuübersetzung wurde mit Kritikerlob
geradezu überhäuft.
Erzählt
wird die Geschichte zweier einfacher Brautleute, die von einem
ruchlosen Feudalherrn an der Heirat gehindert werden, weil
er seine feudalherrlichen Blicke auf die Braut geworfen hat.
Doch in der privaten Geschichte spiegeln sich die Zustände
einer ganzen Epoche der italienischen Landesgeschichte: die
spanische Fremdherrschaft im Herzogtum Mailand, dargestellt
am Beispiel der Jahre 1628-30, während der Wirren des
Dreißigjährigen Krieges, die das Land mit Hungersnot,
marodierender Soldateska und einer verheerenden Pest überziehen.
All dies, die Nöte und Bedrängnisse, aber auch die
Hilfen und Tröstungen seiner Personen schildert Manzoni
in einem breiten, farbigen, dabei von bitterer Welterfahrung
und trauriger Ironie durchtränkten Panorama. Erzählend
seziert er die Klassen- und Ständegesellschaft des italienischen
17. Jahrhunderts, so dass seine Leser darin unversehens die
Grundzüge und Probleme des Italien ihrer Zeit wiedererkennen
(und sogar wir noch viele des heutigen). Erschienen 1827,
war der Roman sofort ein großer Erfolg und wurde in
alle Weltsprachen übersetzt. Die deutsche Erstübersetzung
hatte noch Goethe persönlich gefördert, der erste
deutsche Leser des Promessi Sposi, für den Manzonis Roman
"alles überflügelt, was wir in dieser Art
kennen".
(©
2003 dtv Verlag)
Buchbesprechung
- Rezension:
Der
78-jährige Goethe brauchte für die Lektüre
dieses Buches etwa eine Woche. "Der Eindruck beim
Lesen ist derart, daß man immer von der Rührung
in die Bewunderung fällt, und von der Bewunderung wieder
in die Rührung, so daß man aus einer von diesen
beiden großen Wirkungen gar nicht herauskommt. Ich dächte,
höher könnte man es nicht treiben ... Manzoni hilft
uns zu guten Gedanken", zitiert Eckermann im Juli
1827 den Geheimen Rat.
Die Qualität des Buches macht die Vermischung der Beschreibung
spannender Familienerlebnisse und Historie aus. Neu bei Manzoni
ist, dass in einem historischen Roman die Ritter, Fürsten,
Bischöfe nicht die Protagonisten darstellen. Sie kommen
vor, aber die Hauptfiguren sind einfache Menschen des Volkes.
Die Verflechtung von Einzelschicksalen mit der historischen,
feudalen Gesamtsituation in Zeiten von Besatzung, Plünderei,
Hunger und Pest machen den Reiz des Werkes aus, fesseln und
rühren uns noch heute wie Goethe vor fast 200 Jahren.
Beeindruckend ist, dass man mehrere hundert Seiten über
das Schicksal der beiden Brautleute liest und gar nicht bemerkt,
dass man ein historisches Buch in Händen hält, in
dem atmosphärisch dicht, aufregend und äußerst
spannend die Lebenssituation der kleinen Leute in der ersten
Hälfte des 17. Jahrhunderts in Norditalien geschildert
wird.
Die deutsche Übersetzung von Burkhart Kroeber ist modern,
flüssig und brillant. Wie kein anderer ist der ausgezeichnete
Übersetzer von Umberto Eco und Italo Calvino dafür
geeignet. Ergänzt wird das Buch durch ein kurzes Nachwort
über seine Entstehung und sehr gute und umfangreiche
Anmerkungen des Übersetzers.
Leider lässt sich auch ein so hervorragender und erfahrener
Spracharbeiter wie Kroeber von der schrecklichen Mode, dem
Gebrauch des Adverbs "sozusagen", das seit ein paar
Jahren bei Politikern und Journalisten in jedem zweiten Satz
verwendet wird, anstecken. Bei der nächsten Auflage bitte
"sozusagen" drei dutzendmal ersatzlos streichen.
(©
2004 Hartmut Faustmann für all-around-new-books.de)
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