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Klappentext:
Keine belletristische Veröffentlichung
hat in Schweden jemals so viel Aufsehen erregt wie das Erscheinen
dieses kleinen Romans im Jahr 1839. Beschimpft als "Sittenverderber"
und "Verführer der Jugend" verlor Almqvist
seine Anstellung und floh schließlich wegen eines drohenden
Prozesses nach Amerika.
Auf einer Schiffsreise über
den Mälarsee sieht der junge Sergeant Albert eine hübsche
junge Frau und verliebt sich in sie. Doch all seine Versuche,
die junge Dame kennen zu lernen, schlagen fehl: Sara lässt
ihn abblitzen. Sie wirft sogar ein Geschenk von ihm, einen
Ring, den er einem einfachen Bauernmädchen auf dem Schiff
abgekauft hat, in hohem Bogen über die Reling. Erst bei
einem Landgang kommen sich die beiden etwas näher. Doch
die Glasermeisterstochter Sara Videbeck ist nicht nur eine
anziehende, sondern auch eine erstaunliche Frau, die den Sergeanten
mit ihrem Benehmen irritiert und in den Bann zieht. Sie besteht
darauf, ihr Essen selbst zu bezahlen, sie schlägt Albert
vor, zusammen in dem einzigen noch freien Zimmer der Herberge
zu übernachten, und sie hält ein flammendes Plädoyer
für die freie Liebe.
(©
2004 Kindler Verlag)
Buchbesprechung
- Rezension:
Zunächst wirkt die Protagonistin
dieses Romans, Sara Videbeck, ein wenig distanziert, ja vielleicht
hochnäsig. Warum verhält sich dieses Dorfmädel
so zickig gegenüber dem jungen Offizier, der ihr den
Hof macht? Soll doch froh sein darüber. Wir lesen ein
Buch von 1839, und zu dieser Zeit waren Frauen in der Realität
und in der Literatur nun mal glücklich, wenn man(n) um
sie geworben hat und sie endlich geheiratet wurden. Soweit
unsere Vorstellung und Erwartungshaltung. Aber Sara ist anders.
Sie hat ja gar nichts gegen ihre neue Bekanntschaft auf dem
Schiff. Der junge, in seiner Uniform sehr schneidig aussehende
Albert gefällt ihr schon. Aber wie kommt er dazu, ihr
beim ersten Gespräch einen Ring zu schenken? Ringe sind
Fesseln, sie machen unfrei. Und das ist für Sara die
Hölle.
Abweisend ist sie nicht, im Gegenteil: Für Albert hat sie sogar etwas äußerst Liebenswürdiges. Und so kommen sich die beiden im Gespräch allmählich näher. Dass sie ihr Frühstück selbst bezahlt, ist für Sara kein Diskussionsthema. Ebenso selbstverständlich ist für sie, das einzige freie Zimmer des Gasthofs mit Albert für eine Nacht zu teilen. Ihr Verhalten wirft Albert in emotionale Wechselbäder.
Sara wirkt wie ein Wesen aus einer anderen Zeit. Seit dem Tod des Vaters führt sie als junge Unternehmerin die Glaserei der Familie weiter. Da sie viel Unterdrückung, Abhängigkeit, ja sogar Hass in Ehen gesehen hat, ist für sie die wirtschaftliche Selbständigkeit unabdingbar. Sie will lieben, aber als freie Frau.
Ein Zusammenleben ist nur dann gut, wenn "Herz und Seele übereinstimmen". Eine "Trauformel" ist dazu nicht notwendig. Diese ist zu oft zu leerem Geplapper, zur Lüge verkommen. Leid und Lüge machen "grobschlächtig", und das ist das Ende der Liebe. Jeder soll für sich selbst sorgen, nur die Liebe ist das Gemeinsame.
Die Woche mit Sara
ist 1839 in Schweden erschienen. Ein Buch, das ein Plädoyer
für die Gleichberechtigung der Frau darstellt, in dem
die freie Liebe propagiert wird, zu einer Zeit, in der Frauen
kaum Rechte besaßen, verheiratet sein mussten, Kinder
zu gebären hatten und als Beruf zwischen Magd oder Zimmermädchen
wählen konnten. Ein Autor, der durch seine Sticheleien
gegen die konservative Gesellschaft viele persönliche
und berufliche Nachteile in Kauf nehmen musste, rüttelte
mit diesem kleinen Text an den Grundfesten der bestehenden
Ordnung, weshalb er nach einer, bis heute ungeklärten
Auseinandersetzung mit der Justiz nach Amerika fliehen musste.
Die Wiederentdeckung des kleinen Romans Die Woche mit Sara in neuer Übersetzung ist ein literarischer Leckerbissen: Auf 150 Seiten werden die Ergebnisse von 30 Jahren Frauenbewegung (mit unzähliger Literatur) des 20. Jahrhunderts abgehandelt, zwei tolle Figuren geschaffen, die Atmosphäre der verschiedenen Klassen an Bord eines Schiffes sowie eine großartige Landschaft in Schweden leidenschaftlich beschrieben. Und das in einer unterhaltsamen, spannenden, modernen Sprache. Respekt!
(©
2004 Hartmut Faustmann für all-around-new-books.de)
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