Verlagstext:
Protektorat Böhmen und Mähren 1942/43. Eine
junge Ärztin an einem Krankenhaus in Brünn
gerät in Gefahr, von der Gestapo verhaftet zu werden.
Die Widerstandsgruppe, für die sie Kurierdienste
geleistet hat, ist aufgeflogen. Doch noch kurz vor seiner
eigenen Verhaftung wird sie von ihrem besten Freund
und Kollegen in Sicherheit gebracht, indem er die Heirat
mit einem ihrer Patienten veranlaßt und ihr so
zu einer neuen Identität verhilft.
Diesem
Joza hat sie vor kurzem erst das Leben gerettet –
und er verehrt sie grenzenlos. Aber Joza ist ein einfacher
Holzarbeiter vom Land. Er bringt die Akademikerin in
sein abgelegenes Bergdorf elary in der Nähe
der slowakischen Grenze. Und dort ist die Zeit vor hundert
Jahren stehengeblieben, wie die verzweifelte junge Frau
bald feststellen muß ...
Eine wunderbar poetische und anrührende Liebesgeschichte
aus dem mährisch-slowakischen Grenzgebiet –
Vorlage für einen Film, der 2004 für den Oscar
nominiert wurde.
Zur
Autorin:
Kveta
Legátová ist das Pseudonym einer in Brno
lebenden Autorin (geboren 1919), die während des
kommunistischen Regimes als politisch unzuverlässig
galt und deshalb nach dem Studium der tschechischen
und deutschen Sprache, der Physik und Mathematik als
Lehrerin von einer Dorfschule zur anderen versetzt wurde.
Aus
den Bergregionen in der Nähe der slowakischen Grenze
schöpft sie die Themen für ihre balladenhaften,
naturalistischen Geschichten. Gleich mit ihrem ersten
Erzählungsband ›elary‹ (2001)
fand sie größte Anerkennung und erhielt den
tschechischen Staatspreis für Literatur 2002. Eine
freie Fortsetzung dieser Geschichten ist der vorliegende
Roman, nach dem Regisseur Ondrej Trojan 2003 einen erfolgreichen
Film mit dem Titel ›elary‹ gedreht
hat.
(©
2004 Deutscher Taschenbuch Verlag)
Buchbesprechung - Rezension:
Für sie ist es der GAU, das Schlimmste, das ihr
passieren kann, außer der Tod. Und tatsächlich
kämpft sie "mit der Sehnsucht, sich durch
Selbstmord zu retten", die junge Krankenhausärztin
aus Brünn, die mitten im Krieg Kurierdienste für
eine Widerstandsgruppe erledigt hat und nun, da die
Gruppe entdeckt wurde, fliehen muss. Ausgestattet mit
neuem Ausweis fährt sie, gemeinsam mit einem gerade
genesenen Patienten, Joza, dem sie das Leben gerettet
hat, in einem klapprigen Zug in seine Heimat. Für
sie gibt es nur eine Chance zu überleben: an einem
unbekannten Ort ein unauffälliges Leben führen.
Dafür muss sie Joza heiraten. Joza, den einfältigen
Holzarbeiter vom Land mit seinen riesigen Pranken. Unvorstellbar
für die lebenslustige, junge, hübsche, kluge
engagierte Ärztin aus der Stadt. Als er ihr Patient
war, mochte sie Joza, der so schöne Geschichten
aus seiner Heimat erzählen konnte. Jetzt im Zug
hasst sie ihn. Immer wieder fällt ihr der Satz
ihrer Großmutter ein: "Man weiß
nicht, was man alles aushält". Das mag
für ihre Großmutter zugetroffen haben. Sie
jedoch weiß, dass sie nichts aushält.
Im
Dorf angekommen, wird alles noch schlimmer, als sie
es sich vorgestellt hat. Ihr Haus gleicht einem Stall
mit Lehmfußboden. "Kein Wasserhahn, keine
Elektrizität und weitere zehn Keins".
Und dann erfährt sie noch, dass Joza als der Dorftrottel
von Zelary bezeichnet wird, ein Muskelpaket ohne Grips.
Für sie ist es die Hölle. Aber kann sie wählen,
hat sie eine andere Chance zu überleben, als in
dieser anderen Welt, die für sie 100 Jahre zurück
liegt?
Ganz
langsam fügt sich die Ärztin, die ihren Beruf
hier verschweigen muss, um glaubwürdig zu sein
und von den Nachbarn angenommen zu werden, in ihr Schicksal.
Wahrscheinlich enthielt das Lebensmotto der Großmutter
doch mehr Wahrheit als zunächst vermutet.
Nach
anfänglichen Pannen und menschlichen Katastrophen
lernt sie die Menschen und das Leben in Zelary besser
kennen und - kaum zu glauben - lieben ...
Kveta
Legátovás Novelle Der Mann aus Zelary
ist eine der rührendsten, zartesten Liebesgeschichten,
die ich kenne. Man erfährt die Ereignisse aus der
Sicht der Ich-Erzählerin, der jungen Ärztin.
Ihre Ängste, ihre Sehnsüchte, ihre Zweifel,
ihr Glück. Die knappe, schnörkellose, sachliche
Sprache verhindert Rührseligkeit oder gar Kitsch.
Es ist eine ungewollte Beziehung, eine unvorstellbare
Beziehung, an Liebe gar nicht zu denken. Der Unterschied
der Protagonisten könnte größer nicht
sein. Und doch ereignet sich etwas zwischen den beiden:
Sie lassen sich unendlich viel Zeit, nähern sich
im Schneckentempo, lernen sich kennen, schätzen
und irgendwie auch lieben. Grandios!
Ein
tolles Buch in der wunderbaren Reihe dtv-premium, deren
Bände mich häufig überrascht und noch
nie enttäuscht haben.
(©
2006 Hartmut Faustmann für all-around-new-books.de)
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