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Das Magdalena-Evangelium von Kathleen McGowan
 


 

Roman/Erzählung

Das Magdalena Evangelium

Autorin: Kathleen McGowan
Übersetzt von Rainer Schumacher

Hardcover, 540 Seiten
erschienen: 25.07.2006
Lübbe
ISBN: 3-7857-2263-X
Preis: 19,95 Euro

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Buchbesprechung - Rezension:

“DIE WAHRHEIT GEGEN DIE WELT” zitiert die Autorin eine ihrer Heldinnen, Boadicea. Sie nennt es “ihren Schlachtruf”. Und wahrlich, sich mit diesem Buch auseinanderzusetzen, kann ohne jegliche Übertreibung eine Schlacht genannt werden.

Das Buch spielt in der heutigen Zeit und handelt doch von einer vergangenen Zeit, über deren Ereignisse und Personen sich schon viele Leute den Kopf zerbrochen haben. Und anscheinend hat sich die Autorin so sehr ihren irisch-stämmigen Kopf darüber zerbrochen, dass sie ihn in den unendlichen Weiten ihres Glaubens, ihrer Hoffnungen und ihrer zum größten Teil weiblichen Idole verloren hat.
Das nur als kleine Warnung.

Die Protagonistin, Maureen Paschal (!), zufälligerweise (oder auch nicht?) eine junge amerikanische Journalistin, wie auch die Autorin eine war, befindet sich Ende der 90er-Jahre auf einer Reise, die sie durch bzw. auf den Leidensweg Jesu führt. Jedoch nicht aus religiösen Gründen, wie die meisten der sie dort umgebenden Leute, sondern aus architektonischen. Lediglich eine Recherche - das war der Auslöser für einen Besuch der berühmten Grabeskirche und anderer mit Jesus in Verbindung stehender Orte. Nichts Außergewöhnliches an sich.
Doch dann geschieht das Unerwartete. Nachdem sie auf seltsame Weise einen altertümlichen Ring mit neun Kreisen, die an die Konstellation der (damals noch) neun Planeten erinnern, durch einen Antiquitätenhändler geschenkt bekommen hat, ruht sie sich auf einer Steinbank in der Nähe der 8. Station des Leidensweges aus. Doch da wird sie, so wörtlich, von einem “erbarmungslosen Blitz von Sonnenlicht” getroffen, woraufhin “ihre Gedanken auf Reisen” geschickt werden. Sie hat eine Vision.
Eine Frau zieht ihren Blick auf sich und beansprucht ihre volle Aufmerksamkeit, eine Frau, deren Augen sie um Hilfe bitten, eine Frau, die trotz des Drecks an ihren Füßen ohne Zweifel eine Königin ist, was unter anderem durch ihre stolze Haltung gezeigt wird. Wie sich später herausstellen soll, war diese höchst einnehmende Frau Maria Magdalena - auf dem Weg zum Berg der Kreuzigung Jesu.
Und das ist der Moment, der alles in Maureen Paschals Leben ändert.
Von da an wird sie von diversen Visionen Maria Magdalenas, ihres Ehemanns Jesus (auch Isa genannt) und beider Kinder nachts in ihrem Bett heimgesucht. Sie begibt sich auf die Suche nach einer Reliquie, von deren Existenz sie am Beginn ihrer Suche noch gar nichts weiß. Aber nach und nach erfährt sie, dass es ein sogenanntes “Erbe” der Maria Magdalena geben soll. Dieses kann jedoch so, wie es das in diesem Buch eine große Rolle spielende Schicksal will, leider nur durch die “Verheißene” gefunden werden - einer Auserwählten Magdalenas und zudem aus Magdalenas Blutlinie stammenden Person.

Wie man sich denken kann stellt sich irgendwann heraus, dass Maureen diese Verheißene ist. Und wie es sich für die Verheißene gehört, findet sie das Erbe der Maria Magdalena. Damit das Buch seinem Namen alle Ehre machen kann, besteht das Erbe aus einer von “Isas Ehefrau” persönlich schriftlich festgehaltenen Schilderung der Zeit mit und um Jesus - das, wer hätte es erwartet, “Magdalena Evangelium“.
Und um Stoff für folgende Bücher zu haben, endet das Buch mit Indizien und Wegweisern auf das einzig wahre Evangelium, das von niemand geringerem als dem Sohn Gottes selbst verfasst wurde, das Buch der Liebe, das er selbstverständlich seiner großen Liebe, Maria Magdalena zur Obhut gegeben hatte.

Bei mir als Leserin entstanden, kaum, dass ich einen Blick auf die Widmung geworfen hatte, leichte Zweifel an der Seriosität dieser Autorin. Mir fielen nur drei Möglichkeiten ein, warum jemand Maria Magdalena als seine Vorfahrin nennen könnte. Erstens: Frau McGowan hat eine gehörige Portion Humor, was an sich ja was Symphatisches ist. Zweitens: Die Autorin GLAUBT wahrhaftig, dass sie eine Nachfahrin Magdalenas ist. Und die dritte Möglichkeit: Sie IST eine Nachfahrin Magdalenas. Doch dafür bräuchte es schon stichhaltige Beweise und keine auf irgendwelche Legenden und Sagen basierenden Hinweise, die zudem bis zu 2000 Jahre alt sind und dadurch leicht in einem hohen Maße verfälscht worden sein können. Darum schloss ich die dritte Möglichkeit aus.

Die Tatsache, dass ich ja in Sachen Bücher eher optimistisch eingestellt bin, brachte mich zu der Annahme, dass Kathleen McGowan einfach Humor hat. Doch mit jeder Seite dieses Buches wurde diese Annahme immer mehr erschüttert. Und sobald ich das Nachwort gelesen hatte, war sie vollkommen vernichtet, womit wir wieder beim Anfang, dem Schlachtruf dieser Autorin wären. Ja, Kathleen McGowan hält sich selber für eine Nachfahrin Magdalenas, also einen Teil der “heiligen Blutlinie” und der Verheißenen.

Dass die Hauptperson in dem Buch dieses Evangelium gefunden hat, wissen wir ja, aber da Maureen anscheinend das Spiegelbild der Schriftstellerin selbst sein soll, bleibt eine Frage offen: Nein, nicht ob sie das Evangelium der Magdalena in Wirklichkeit gefunden hat. Eher die Frage, welcher gefallene Engel namens Lucifer sie geritten hat, dass sie solche Behauptungen ohne jegliche Beweise aufstellen kann.

Keine Frage, es ist ein Roman, und als solcher darf der größte Unsinn in ihm stehen bzw. das, was der Phantasie oder sagen wir besser, dem Glauben des Verfassers entwichen ist. Aber sobald man versucht, sowas als “die Wahrheit” an den ahnungslosen Leser zu bringen, endet für mich die schriftstellerische Freiheit.
Ich stimme der Autorin in der Hinsicht zu, dass sicherlich einige Tatsachen verfälscht wurden in der Geschichte, und dass man nicht alles für bare Münze nehmen soll, nur weil man es irgendwo liest. Und sicherlich ist da auch was Wahres dran, dass man in solchen Zeiten eher dazu neigte, eine Frau schlecht dastehen zu lassen, als dass man sie einem Mann gleich- oder sogar überstellt. Doch das heißt noch lange nicht, dass jede Frau, die in der Geschichte eher, sagen wir, einen negativen Eindruck macht, in “Wahrheit” lieb und nett und vollkommen unschuldig war. Aber genauso klingt es, wenn man dieses Buch liest.

Was positiv an dem Buch ist? Es ist einigermaßen spannend geschrieben und hat zumindest ein paar glaubwürdige Aspekte und Fakten geliefert, die mir persönlich neu waren und interessant zu erfahren. Auch die äußere Gestaltung des Buches ist meiner Meinung nach gut gewählt.
Doch alles in allem hätte ich mir mehr handfeste Tatsachen bzw. Thesen und bessere Arbeit von Seiten des Übersetzers gewünscht. Denn Sätze wie: “Hart war das nicht - der Raum war voll von …” zeugen geradezu von unsauberen Wort-zu-Wort-Übersetzungen.
Doch wem 20 Euro für die Lebensgeschichte und Vorstellungskraft einer amerikanischen und irisch-stämmigen Journalistin nicht zuviel sind und ein amüsierendes Buch braucht, nur zu, bitte.
Achja, eines noch, falls man sich das Foto der Autorin auf der Klappenseite ein bisschen näher anschaut - das an ihrem Finger, ist das nicht ein Ring mit einem Kreis in der Mitte, der von acht weiteren umgeben wird? Und erinnert das nicht stark an die neun Planeten?

In diesem Sinne: “Die Wahrheit gegen die Welt” oder “die Welt gegen Frauen im Christentum”.

(© 2006 Caitlin Titz für all-around-new-books.de)

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