Interview mit George DeRos anlässlich
seiner Veröffentlichung von "Briefe schwimmen über
den Rubikon"
Herr
DeRos, in Ihrem Buch "Briefe
schwimmen über den Rubikon“ präsentieren Sie
Liebesgedichte und erotische Geschichten. Entspringen die Geschichten
Ihren eigenen Erfahrungen oder Ihrer Fantasie?
Ein
paar Geschichten beschreiben bereits erlebtes, ein paar Geschichten
beschreiben Dinge, die ich noch erleben möchte. Manche Geschichten
beschreiben Vorstellungen, die zwar faszinierend für mich sind,
die ich aber trotzdem nicht erleben möchte, weil ich glaube,
dass durch die Umsetzung der entsprechenden Fantasie für mich
der Reiz verloren gehen würde. Welche Geschichte einem Erlebnis
entspringt und welche nicht, wird hier an dieser Stelle aber nicht
verraten. Das überlasse ich lieber der Fantasie jeder Leserin
und jeden Lesers.
Sie
streuen hier und da Zitate von bekannten Autoren wie beispielsweise
Kafka, de Crescenzo oder Casanova ein. Warum? Welchen Hintergrund
hat das?
Die
Zitate sollen den Leser auf die kommenden Geschichten einstimmen
und die Vielzahl der Geschichten auch ein wenig thematisch gliedern.
Sie haben mir sehr gut gefallen und daher dachte ich, sie würden
vielleicht auch anderen Menschen gut gefallen.
Sie
zitieren Alexander Calder mit „Wenn ein Frauenkörper
spricht, haben die Männer nicht genug Augen, um zuzuhören.“
Was hält die Männer denn davon ab, genügend Augen
zu haben und ist das nur auf den Moment des Geschlechtsaktes bezogen?
Das
Zitat kann meiner Meinung gar nicht ausschließlich auf den
Geschlechtsakt bezogen sein - zumindest war es bei der Auswahl für
mein Buch nicht so von mir gemeint. Die Faszination des Weiblichen
lässt sich – zumindest für mich – sicher nicht
auf die Augenblicke des Geschlechtsaktes reduzieren. Die Faszination,
die Erotik wie auch die Liebe wird für mich viel mehr durch
die vielen kleinen Dinge, wie zum Beispiel ein Lächeln, die
vielen kleinen Aufmerksamkeiten, eine Kleinigkeit, die man geschenkt
bekommt, intime Momente bei denen man(n) dabei sein darf und vieles
mehr ausgedrückt.
Genügend
Augen haben?
Vielleicht
dauert es einfach eine gewisse Zeit bis man(n) bereit ist, seine
Augen zu öffnen und sich auf das Spiel mit dieser Faszination
einzulassen. Wie bereits erwähnt, das muss nicht, kann aber
natürlich mit körperlicher Liebe enden.
Ein
Problem, das Frauen immer mehr beklagen, ist, dass die Männer
ihnen nicht zuhören. Was hält Mann überhaupt davon
ab, Frau „richtig“ zuzuhören?
Es
ist wohl die Art der Kommunikation, die Männer und Frauen unterscheidet.
Männer
- zumindest ertappe ich mich des öfteren dabei - sind eher
so etwas wie „Schnellleser“, die sich nur auf die wesentlichste
Information konzentrieren, während Frauen sich auf die Details
konzentrieren. Für Männer ist es teilweise, so glaube
ich, schwer, nur über Probleme zu reden. Männer wollen
etwas lösen, etwas reparieren. Wenn das nicht möglich
ist, ist für einen Mann die Unterhaltung auch nicht wirklich
nötig. Aber das ist nur meine persönliche Ansicht. Es
gibt ja mittlerweile zu diesem Thema eine Unzahl an Büchern.
In
der letzten Geschichte „Leben entsteht“ heißt
es: „Laut atmend explodiere ich in dir, ich spüre, wie
du dich um mich herum bewegst und zusammenziehst. ... Bin glücklich
und weiß es einfach, soeben ist in dir neues Leben entstanden.“
Dass sehr sensitive Frauen diesen „Klick“ sofort spüren,
ist ja bekannt. Kann man(n) das auch spüren?
Diese
Frage kann ich leider noch nicht beantworten. Bei dieser Geschichte
war der Wunsch durchaus Vater des Gedankens, doch auf die Antwort
muss ich Sie noch warten lassen. Aber ich werde diese Frage zu gegebener
Zeit beantworten.
Sie
sind in New York geboren. Liebt man in Amerika anders als in Europa?
Die
Liebe ist eine universale Sprache, nur der Zugang zur körperlichen
Liebe unterscheidet sich vielleicht mancherorts etwas prüder,
an anderen Orten etwas freizügiger. Die Liebe unterscheidet
sich nicht. Ich lebe aber schon zu lange in Europa, um diese Frage
wirklich beantworten zu können.
Wenn
ein Mann seine Lebensgefährtin als „Muse“ bezeichnet,
wie Sie das tun, wie sieht dann sein, sprich Ihr Verhältnis
zu Frauen im Allgemeinen aus?
Diese
Antwort müsste ich eigentlich meiner Muse überlassen.
Ich glaube aber, dass es ein sehr partnerschaftliches Verhältnis
ist. Auf mich übt sie nach wie vor Faszination aus, sie inspiriert
mich und ist manchmal auch mein Zufluchtsort.
Wenn
man die vielfältigen Geschichten in Ihrem Buch liest, könnte
man glauben, sie hätten alle Spielarten in puncto Sex schon
erzählt. Fällt Ihnen dazu noch mehr ein?
Ich
glaube nicht, ich hoffe nicht, dass es möglich ist, alle Spielarten
der Liebe zu beschreiben, geschweige denn sie zu kennen. Daher bin
ich eigentlich recht zuversichtlich, dass mir noch ein paar Geschichten
einfallen werden. Und das nächste Buch ist bereits im Kopf
entstanden und wartet nur mehr darauf, geboren, sprich niedergeschrieben
zu werden.
Als
Autor möchte man gemeinhin seine eigenen Texte veröffentlicht
sehen. Viele Autoren haben das Glück, einen Verlag zu finden,
der dies für sie tut. Sie sind gleich über die „Book
on demand“-Schiene gegangen. Was hat Sie veranlasst, dieses
Buch überhaupt zu veröffentlichen und warum als „Book
on demand“?
Dieses
erste Buch zu veröffentlichen, hatte mehrere Beweggründe.
Einer war, dass ich Feedback zu meinen Geschichten bekommen wollte,
die ich im Laufe der letzten Zeit geschrieben habe. Daher habe ich
vor einiger Zeit begonnen, meine Geschichten im Internet zu veröffentlichen
(www.gedankenblicke.net). Die überaus positiven und netten
Kommentare der Leser und der Zuspruch meiner Lebensgefährtin
haben mich dann schließlich veranlasst, das Buch zu veröffentlichen.
Vor der Ausgangssituation, dass es heute extrem schwierig ist, von
einem Verlag angenommen zu werden, der Verlagsmarkt konsolidiert
wird, die kleinen Verlagshäuser aufgekauft werden und viele
Häuser das finanzielle Risiko, einen unbekannten Autor aufzunehmen,
nicht tragen wollen und können, habe ich mich für Book
on demand entschieden. Natürlich möchte ich gern veröffentlicht
werden, nur bin ich davon ausgegangen, dass ich mir erst einen Namen
machen muss, um dann bei einem Verlag angenommen zu werden. Die
Schiene Books on Demand hat sich daher - mit all den Vor- und Nachteilen
- angeboten, um mein persönliches finanzielles Risiko zu minimieren.
Was
sind die Vor- und Nachteile bei einem Book on Demand?
Der Unterschied zwischen der herkömmlichen Art, ein Buch über
einen Verlag zu verlegen und dem Weg über BOD liegt hautpsächlich
darin, dass bei der ersten Variante die Arbeit vor der Veröffentlichung
liegt - die Suche nach einem Verlag. Bei der anderen Variante liegt
die Hauptarbeit nach der Veröffentlichung. Über alles
muss man sich im Grunde Gedanken machen: Wie vermarkte ich mein
Buch, wo soll es verkauft werden, wer will es verkaufen usw.
Vorteile von BOD sind sicher die unkomplizierte Art, bis man sein
fertiges Buch in den Händen hält und, dass man dies zu
vertretbaren Kosten erreichen kann.
Die Herausforderung beginnt, wenn man möchte, dass es auch
andere in den Händen halten. Und das sind gleichzeitig die
Nachteile von BOD, was aber auch am Konzept liegt:
- Die
Vermarktungsstrategie muss selbst definiert werden, was für
viele, glaube ich, recht schwer ist.
- Die
Vermarktung ist mit hohem Zeitaufwand verbunden.
- Die
persönliche Beziehung zu einem Lektor, einer Ansprechperson
fehlt.
- Die
laufende Betreuung, der "seelische" Zuspruch, den man
bei einem guten Verlag doch bekommen sollte, fehlt hier natürlich
auch.
Wenn
man sich zutraut, ohne persönliche Betreuung, sehr hartnäckig
daran zu arbeiten und auch bereit ist, ein wenig Geld in Marketing
zu investieren, dann ist BOD sicher ein erster Schritt zum Autorendasein.
Wann
haben Sie mit dem Schreiben begonnen und mit welchem Genre?
Schon
vor Jahren. Bereits in meiner Schulzeit habe ich mit diversen Kurzgeschichten,
damals aber noch keine erotischen, begonnen. Das Genre war breit
gestreut - von Gedichten bis hin zu Fantasiegeschichten. Nach der
Schulzeit habe ich dann ein paar Jahre nichts geschrieben, bis das
Thema Schreiben Ende meiner persönlichen 20-er Jahre wieder
akut wurde und ich unbedingt wieder schreiben wollte. Mit dem Buch
Briefe
schwimmen über den Rubikon habe ich angefangen, um
ein sehr persönliches Geschenk für meine Lebensgefährtin
zu haben.
Sind
Sie ein disziplinierter Schreiber, der täglich zu einer gewissen
Zeit seinen Schreibtisch aufsucht oder schreiben Sie eher, wenn
Ihnen gerade eine gute Geschichte, eine Idee durch den Kopf geht?
Nein,
also diszipliniert bin ich - leider - nicht wirklich. Ich lasse
ein paar Ideen in meinem Kopf wachsen. Meistens schreibe ich mir
die Ideen auch auf - sicherheitshalber – und sobald die Ideen
bereit sind und unbedingt auf Papier gebracht werden wollen, setze
ich mich an meinen Schreibtisch und schreibe. Das ist dann allerdings
intensiv und dauert länger.
Sehen
Sie das Schreiben als Handwerk oder eher als Kunst, die nur Talenten
vorbehalten ist?
Es
ist beides – man muss das Schreiben beherrschen und mit der
Technik des Handwerks Schreiben umgehen können, um dann die
Regeln des Handwerkes missachten zu können und es zu einer
Kunst zu machen. Wobei der Gradmesser für Kunst oder Handwerk
- wie immer - nicht die Verkaufszahlen oder der kommerzielle Erfolg
sind.
Was
findet man im Bücherregal eines Autors, der erotische Geschichten
schreibt?
Viele
Bücher, aber darunter befinden sich kaum erotische. Die Autoren
reichen von Coelho bis hin zu James Redfield, aber auch Klassiker
der Literatur wie Dostojewski und andere. Aber kaum erotische Bücher.
Ich möchte meinen eigenen Stil weiterentwickeln. Außerdem
sind die meisten sogenannten erotischen Bücher, die derzeit
auf dem Buchmarkt erhält sind, nicht wirklich erotisch –
für mich zumindest.
Was
planen Sie an Veröffentlichungen in nächster Zeit? Wird
es weitere erotische Geschichten geben und wenn ja, wann?
Es
befindet sich bereits ein zweites Buch – wieder eines aus
dem erotischen Genre – in Arbeit und sollte in den nächsten
Monaten fertig werden. Es wird in Wien an einem bekannten Ort spielen
und wird wieder mehrere Kurzgeschichten enthalten. Diesmal aber
etwas längere. Mehr sei aber an dieser Stelle nicht verraten.
Zum
Abschluss: Gibt es ein Rezept für erfüllenden Sex, der
auch eine langjährige Partnerschaft überdauert?
Neugierde
und Spieltrieb und nichts für selbstverständlich halten.
Neugierde auf sein Gegenüber, Neugierde auf die Reaktion des
anderen und vielleicht auch auf seine eigenen Reaktionen –
und vor allem, nichts für selbstverständlich nehmen. Dann
sollte auch das Thema Sex eigentlich für längere Zeit
interessant bleiben. Vielleicht liefert ja auch mein Buch ein paar
neue Ideen.
Herr
DeRos, herzlichen Dank für das Gespräch und weiterhin
viel Erfolg für "Briefe
schwimmen über den Rubikon" und das kommende Buch!
Dieses
Interview führte Evelyn Schaust-Weber mit George DeRos im April
2004.
(© 2004 Evelyn Schaust-Weber für all-around-new-books.de)
|