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George DeRos

Foto: © George DeRos
(Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung)

George DeRos arbeitet zur Zeit an seinem zweiten Buch. all-around-new-books.de wollte mehr über den erfolgreichen BoD-Autor erfahren und hat ihn in Wien getroffen ...

 

Interview mit George DeRos anlässlich seiner Veröffentlichung von "Briefe schwimmen über den Rubikon"

 

Herr DeRos, in Ihrem Buch "Briefe schwimmen über den Rubikon“ präsentieren Sie Liebesgedichte und erotische Geschichten. Entspringen die Geschichten Ihren eigenen Erfahrungen oder Ihrer Fantasie?

Ein paar Geschichten beschreiben bereits erlebtes, ein paar Geschichten beschreiben Dinge, die ich noch erleben möchte. Manche Geschichten beschreiben Vorstellungen, die zwar faszinierend für mich sind, die ich aber trotzdem nicht erleben möchte, weil ich glaube, dass durch die Umsetzung der entsprechenden Fantasie für mich der Reiz verloren gehen würde. Welche Geschichte einem Erlebnis entspringt und welche nicht, wird hier an dieser Stelle aber nicht verraten. Das überlasse ich lieber der Fantasie jeder Leserin und jeden Lesers.

Sie streuen hier und da Zitate von bekannten Autoren wie beispielsweise Kafka, de Crescenzo oder Casanova ein. Warum? Welchen Hintergrund hat das?

Die Zitate sollen den Leser auf die kommenden Geschichten einstimmen und die Vielzahl der Geschichten auch ein wenig thematisch gliedern. Sie haben mir sehr gut gefallen und daher dachte ich, sie würden vielleicht auch anderen Menschen gut gefallen.

Sie zitieren Alexander Calder mit „Wenn ein Frauenkörper spricht, haben die Männer nicht genug Augen, um zuzuhören.“ Was hält die Männer denn davon ab, genügend Augen zu haben und ist das nur auf den Moment des Geschlechtsaktes bezogen?

Das Zitat kann meiner Meinung gar nicht ausschließlich auf den Geschlechtsakt bezogen sein - zumindest war es bei der Auswahl für mein Buch nicht so von mir gemeint. Die Faszination des Weiblichen lässt sich – zumindest für mich – sicher nicht auf die Augenblicke des Geschlechtsaktes reduzieren. Die Faszination, die Erotik wie auch die Liebe wird für mich viel mehr durch die vielen kleinen Dinge, wie zum Beispiel ein Lächeln, die vielen kleinen Aufmerksamkeiten, eine Kleinigkeit, die man geschenkt bekommt, intime Momente bei denen man(n) dabei sein darf und vieles mehr ausgedrückt.

Genügend Augen haben?

Vielleicht dauert es einfach eine gewisse Zeit bis man(n) bereit ist, seine Augen zu öffnen und sich auf das Spiel mit dieser Faszination einzulassen. Wie bereits erwähnt, das muss nicht, kann aber natürlich mit körperlicher Liebe enden.

Ein Problem, das Frauen immer mehr beklagen, ist, dass die Männer ihnen nicht zuhören. Was hält Mann überhaupt davon ab, Frau „richtig“ zuzuhören?

Es ist wohl die Art der Kommunikation, die Männer und Frauen unterscheidet.
Männer - zumindest ertappe ich mich des öfteren dabei - sind eher so etwas wie „Schnellleser“, die sich nur auf die wesentlichste Information konzentrieren, während Frauen sich auf die Details konzentrieren. Für Männer ist es teilweise, so glaube ich, schwer, nur über Probleme zu reden. Männer wollen etwas lösen, etwas reparieren. Wenn das nicht möglich ist, ist für einen Mann die Unterhaltung auch nicht wirklich nötig. Aber das ist nur meine persönliche Ansicht. Es gibt ja mittlerweile zu diesem Thema eine Unzahl an Büchern.

In der letzten Geschichte „Leben entsteht“ heißt es: „Laut atmend explodiere ich in dir, ich spüre, wie du dich um mich herum bewegst und zusammenziehst. ... Bin glücklich und weiß es einfach, soeben ist in dir neues Leben entstanden.“
Dass sehr sensitive Frauen diesen „Klick“ sofort spüren, ist ja bekannt. Kann man(n) das auch spüren?

Diese Frage kann ich leider noch nicht beantworten. Bei dieser Geschichte war der Wunsch durchaus Vater des Gedankens, doch auf die Antwort muss ich Sie noch warten lassen. Aber ich werde diese Frage zu gegebener Zeit beantworten.

Sie sind in New York geboren. Liebt man in Amerika anders als in Europa?

Die Liebe ist eine universale Sprache, nur der Zugang zur körperlichen Liebe unterscheidet sich vielleicht mancherorts etwas prüder, an anderen Orten etwas freizügiger. Die Liebe unterscheidet sich nicht. Ich lebe aber schon zu lange in Europa, um diese Frage wirklich beantworten zu können.

Wenn ein Mann seine Lebensgefährtin als „Muse“ bezeichnet, wie Sie das tun, wie sieht dann sein, sprich Ihr Verhältnis zu Frauen im Allgemeinen aus?

Diese Antwort müsste ich eigentlich meiner Muse überlassen. Ich glaube aber, dass es ein sehr partnerschaftliches Verhältnis ist. Auf mich übt sie nach wie vor Faszination aus, sie inspiriert mich und ist manchmal auch mein Zufluchtsort.

Wenn man die vielfältigen Geschichten in Ihrem Buch liest, könnte man glauben, sie hätten alle Spielarten in puncto Sex schon erzählt. Fällt Ihnen dazu noch mehr ein?

Ich glaube nicht, ich hoffe nicht, dass es möglich ist, alle Spielarten der Liebe zu beschreiben, geschweige denn sie zu kennen. Daher bin ich eigentlich recht zuversichtlich, dass mir noch ein paar Geschichten einfallen werden. Und das nächste Buch ist bereits im Kopf entstanden und wartet nur mehr darauf, geboren, sprich niedergeschrieben zu werden.

Als Autor möchte man gemeinhin seine eigenen Texte veröffentlicht sehen. Viele Autoren haben das Glück, einen Verlag zu finden, der dies für sie tut. Sie sind gleich über die „Book on demand“-Schiene gegangen. Was hat Sie veranlasst, dieses Buch überhaupt zu veröffentlichen und warum als „Book on demand“?

Dieses erste Buch zu veröffentlichen, hatte mehrere Beweggründe. Einer war, dass ich Feedback zu meinen Geschichten bekommen wollte, die ich im Laufe der letzten Zeit geschrieben habe. Daher habe ich vor einiger Zeit begonnen, meine Geschichten im Internet zu veröffentlichen (www.gedankenblicke.net). Die überaus positiven und netten Kommentare der Leser und der Zuspruch meiner Lebensgefährtin haben mich dann schließlich veranlasst, das Buch zu veröffentlichen.

Vor der Ausgangssituation, dass es heute extrem schwierig ist, von einem Verlag angenommen zu werden, der Verlagsmarkt konsolidiert wird, die kleinen Verlagshäuser aufgekauft werden und viele Häuser das finanzielle Risiko, einen unbekannten Autor aufzunehmen, nicht tragen wollen und können, habe ich mich für Book on demand entschieden. Natürlich möchte ich gern veröffentlicht werden, nur bin ich davon ausgegangen, dass ich mir erst einen Namen machen muss, um dann bei einem Verlag angenommen zu werden. Die Schiene Books on Demand hat sich daher - mit all den Vor- und Nachteilen - angeboten, um mein persönliches finanzielles Risiko zu minimieren.

Was sind die Vor- und Nachteile bei einem Book on Demand?

Der Unterschied zwischen der herkömmlichen Art, ein Buch über einen Verlag zu verlegen und dem Weg über BOD liegt hautpsächlich darin, dass bei der ersten Variante die Arbeit vor der Veröffentlichung liegt - die Suche nach einem Verlag. Bei der anderen Variante liegt die Hauptarbeit nach der Veröffentlichung. Über alles muss man sich im Grunde Gedanken machen: Wie vermarkte ich mein Buch, wo soll es verkauft werden, wer will es verkaufen usw.

Vorteile von BOD sind sicher die unkomplizierte Art, bis man sein fertiges Buch in den Händen hält und, dass man dies zu vertretbaren Kosten erreichen kann.
Die Herausforderung beginnt, wenn man möchte, dass es auch andere in den Händen halten. Und das sind gleichzeitig die Nachteile von BOD, was aber auch am Konzept liegt:

  • Die Vermarktungsstrategie muss selbst definiert werden, was für viele, glaube ich, recht schwer ist.
  • Die Vermarktung ist mit hohem Zeitaufwand verbunden.
  • Die persönliche Beziehung zu einem Lektor, einer Ansprechperson fehlt.
  • Die laufende Betreuung, der "seelische" Zuspruch, den man bei einem guten Verlag doch bekommen sollte, fehlt hier natürlich auch.
Wenn man sich zutraut, ohne persönliche Betreuung, sehr hartnäckig daran zu arbeiten und auch bereit ist, ein wenig Geld in Marketing zu investieren, dann ist BOD sicher ein erster Schritt zum Autorendasein.

Wann haben Sie mit dem Schreiben begonnen und mit welchem Genre?

Schon vor Jahren. Bereits in meiner Schulzeit habe ich mit diversen Kurzgeschichten, damals aber noch keine erotischen, begonnen. Das Genre war breit gestreut - von Gedichten bis hin zu Fantasiegeschichten. Nach der Schulzeit habe ich dann ein paar Jahre nichts geschrieben, bis das Thema Schreiben Ende meiner persönlichen 20-er Jahre wieder akut wurde und ich unbedingt wieder schreiben wollte. Mit dem Buch Briefe schwimmen über den Rubikon habe ich angefangen, um ein sehr persönliches Geschenk für meine Lebensgefährtin zu haben.

Sind Sie ein disziplinierter Schreiber, der täglich zu einer gewissen Zeit seinen Schreibtisch aufsucht oder schreiben Sie eher, wenn Ihnen gerade eine gute Geschichte, eine Idee durch den Kopf geht?

Nein, also diszipliniert bin ich - leider - nicht wirklich. Ich lasse ein paar Ideen in meinem Kopf wachsen. Meistens schreibe ich mir die Ideen auch auf - sicherheitshalber – und sobald die Ideen bereit sind und unbedingt auf Papier gebracht werden wollen, setze ich mich an meinen Schreibtisch und schreibe. Das ist dann allerdings intensiv und dauert länger.

Sehen Sie das Schreiben als Handwerk oder eher als Kunst, die nur Talenten vorbehalten ist?

Es ist beides – man muss das Schreiben beherrschen und mit der Technik des Handwerks Schreiben umgehen können, um dann die Regeln des Handwerkes missachten zu können und es zu einer Kunst zu machen. Wobei der Gradmesser für Kunst oder Handwerk - wie immer - nicht die Verkaufszahlen oder der kommerzielle Erfolg sind.

Was findet man im Bücherregal eines Autors, der erotische Geschichten schreibt?

Viele Bücher, aber darunter befinden sich kaum erotische. Die Autoren reichen von Coelho bis hin zu James Redfield, aber auch Klassiker der Literatur wie Dostojewski und andere. Aber kaum erotische Bücher. Ich möchte meinen eigenen Stil weiterentwickeln. Außerdem sind die meisten sogenannten erotischen Bücher, die derzeit auf dem Buchmarkt erhält sind, nicht wirklich erotisch – für mich zumindest.

Was planen Sie an Veröffentlichungen in nächster Zeit? Wird es weitere erotische Geschichten geben und wenn ja, wann?

Es befindet sich bereits ein zweites Buch – wieder eines aus dem erotischen Genre – in Arbeit und sollte in den nächsten Monaten fertig werden. Es wird in Wien an einem bekannten Ort spielen und wird wieder mehrere Kurzgeschichten enthalten. Diesmal aber etwas längere. Mehr sei aber an dieser Stelle nicht verraten.

Zum Abschluss: Gibt es ein Rezept für erfüllenden Sex, der auch eine langjährige Partnerschaft überdauert?

Neugierde und Spieltrieb und nichts für selbstverständlich halten. Neugierde auf sein Gegenüber, Neugierde auf die Reaktion des anderen und vielleicht auch auf seine eigenen Reaktionen – und vor allem, nichts für selbstverständlich nehmen. Dann sollte auch das Thema Sex eigentlich für längere Zeit interessant bleiben. Vielleicht liefert ja auch mein Buch ein paar neue Ideen.

Herr DeRos, herzlichen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg für "Briefe schwimmen über den Rubikon" und das kommende Buch!

Dieses Interview führte Evelyn Schaust-Weber mit George DeRos im April 2004.

 

(© 2004 Evelyn Schaust-Weber für all-around-new-books.de)

 

   

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